„Denn die zehn Milliarden Augen woll’n die Erde leben sehn;
sie soll Heimat ohne Ängste sein für die Liebe und Geborgenheit.“
(Aus „Das Buch“ von den Puhdys.)

Der Song „Das Buch“ von den Puhdys stammt aus dem Jahr 1984. Darin ist die Rede von zehn Milliarden Augen. Das entspricht fünf Milliarden Menschen. Im Jahr 2022 haben wir kürzlich die Marke von acht Milliarden Menschen überschritten: Es wird so langsam eng auf diesem Planeten – sehr eng! Irgendwo – mag sein, dass es in „Grenzen des Wachstums“ oder in „Global 2000“ war – habe ich mal gelesen, dass dieser Planet maximal 20 Milliarden Menschen versorgen kann. Aber nur, wenn mit hinreichend viel zur Verfügung stehender Energie sämtliche Biomasse industriell zur Nahrungsmittelerzeugung genutzt wird – Soylent Green lässt grüßen! Wild-, Haus- und Nutztiere sind dabei außen vor, denn die darf es nicht mehr geben, weil sie die Nahrungsversorgung der Menschen vermindern würden.

Wie hätte man sich so ein „Leben“ vorzustellen? Das hat die Schriftstellerin Chelsea Quinn Yarbro bereits 1976 in ihrem SF-Roman „Der vierte apokalyptische Reiter“ skizziert. Die Menschen „leben“ dann in kleinstmöglichen Wohneinheiten (Wohnzellen) und im gleichen Gebäude wird auch gearbeitet. Landwirtschaft findet in industriellen Komplexen statt – heute würde man von „Vertical Farming“ sprechen. Aufgrund des Lebens auf allerengstem Raum ist die Gefahr von Pandemien ständig präsent. Da die Leute quasi aufeinander hocken (müssen), ist es unverzichtbar geworden, dass die Bürgerrechte des Einzelnen auf ein Mindestmaß beschränkt worden sind und dass die Ordnungsdienste hart sowie rücksichtslos durchgreifen. Im Gegenzug hat die Entfremdung zur Natur ein Maximum erreicht.

Die Augsburger Allgemeine widmete der Acht-Milliarden-Marke einen Beitrag. Der beinhaltet eine Hochrechnung. Danach wäre die Zwanzig-Milliarden-Marke bei konstanter Bevölkerungsentwicklung etwa im Jahre 2087 u. d. h. in 65 Jahren erreicht. Allerdings: Ungemütlich im Sinne von kontinuierlich sinkender Lebensqualität dürfte es schon weitaus früher werden, nämlich bei etwa der Hälfte des Maximums. Das wird lt. dem Zeitungsbericht in rund zwei Jahrzehnten erreicht sein. Zum Vergleich: Das Limit dessen an Menschen, bei dem die Biosphäre der Erde noch nicht nachhaltig geschädigt wird, liegt bei rund 700 Millionen Menschen weltweit. Dieses Limit war z. Zt. der Renaissance erreicht.

Daraus folgt: Wir sind viel zuviele. Ziehen wir doch mal das World Factbook der CIA – eine Fundgrube an statistischen Daten über alle Länder der Erde – zu Rate. Dort findet sich für jedes Land ein Eintrag namens „Population growth rate“ (kann man mit Bevölkerungswachstum übersetzen). Der gibt an, wie es um den Bevölkerungszuwachs in dem betreffenden Land bestellt ist. Liegt der Wert bei Null oder steht sogar ein Minuszeichen davor, dann findet kein Bevölkerungswachstum mehr statt. Deutschland ist trotz Migration und Zuwanderung ein Beispiel dafür. Es gibt dort auch einen Ländervergleich. Schaut man sich den einmal genauer an, dann stellt man fest, dass konstante Populationen primär dort zu finden sind, wo auch ein vernünftiges Sozialsystem existiert. Wo das aber nicht der Fall ist – am oberen und unteren Ende der Skala – sieht es gänzlich anders aus.

Am oberen Ende der Skala wird auf eine möglichst große Nachkommenschaft gesetzt, denn die bietet den Eltern noch die besten Chancen im Alter einmal halbwegs versorgt zu werden. Am unteren Ende der Skala wird auf Nachkommen verzichtet, denn die Verhältnisse sind derart desaströs, dass Kinder von vornherein keine Chance hätten. Wenn man sich das einmal klarmacht, dann wird auch ganz schnell deutlich, was wirklich vonnöten ist, damit in Bezug auf die Weltbevölkerung ein Nullwachstum erfolgen und somit ein weiterer Anstieg verhindert werden kann – nämlich Bildung, Aufklärung und effektive Sozialsysteme. Bildung sowie Aufklärung kollidieren mit so manchem politischen System und insbesondere dann, wenn Fanatiker an der Macht sind. Effektive Sozialsysteme setzen eine Umverteilung des Reichtums von oben nach unten voraus und kollidieren daher sowohl mit Oligarchen wie auch mit einem durch und durch hirnrissigen Wirtschaftsdogma, welches da lautet: „Unbeschränktes Wachstum im begrenzten System geht über alles!“

Daraus folgt, dass es zu keinem Stillstand beim Wachstum der Weltbevölkerung kommen wird. Nach dem oben verlinkten Scinexx-Beitrag prognostiert die UNO zwar ein deutlich langsameres Wachstum und eine Plateaubildung bei etwa 10,5 Milliarden Menschen im Jahr 2080, doch es wird NICHT darauf eingegangen, was zur Plateaubildung führen könnte. Wenn aber ein freiwilliger Wachstumsverzicht aus den o. e. Gründen de facto ausscheidet, was bleiben dann noch als Ursachen übrig? Nichts was erstrebenswert wäre, nämlich Krieg, Pandemien, Umweltzerstörung, Klimawandel, Hungersnöte, Naturkatastrophen, massive politische Einflussnahme auf das Privatleben, Energiekrise. Meiner Meinung nach dürfte es auf einen Mix aus all diesen Faktoren hinaus laufen. Berücksichtigt man zusätzlich noch, dass unsere Intelligenz seit Jahren sinkt, dann dürfte deutlich werden, wohin das führen kann.

Heute sind wir acht Milliarden und es steht nicht gut um unseren Planeten. Der „Earth Overshoot Day“ – also der Tag, an dem die Jahresressourcen eigentlich schon aufgebraucht sind und wir theoretisch für das „Weiter So!“ eine zweite Erde bräuchten – findet in jedem Jahr früher statt. Im Jahr 1970 lieferte die Erde noch genug Ressourcen. Heute ist der Ressourcenverbrauch um 75% gestiegen, und das, obwohl sich bereits bereits viele Menschen bemühen, ihren ökologischen Fußabdruck deutlich zu reduzieren. Rechnen wir einfach mal linear hoch: Im Jahr 1970 waren wir 3,7 Milliarden Menschen und benötigten die Ressourcen einer Erde. Heute sind wir 8 Milliarden Menschen und verbrauchen die Ressourcen von 1,75 Erden. Zwischen 2080 und 2090 werden wir je nach zugrunde gelegtem Modell zwischen 2,2 und 3,8 Erden benötigen u. d. h. Rohstoffe werden knapp und teuer sein, was sich negativ auf die Verfügbarkeit von so vielem, was uns heute selbstverständlich erscheint, auswirkt.

Das Fazit davon, so leid es mir tut, lautet: Die fetten Jahre sind vorbei. Besser wird es nicht mehr. Ganz im Gegenteil: Es geht langsam aber stetig bergab. Wir spüren das hier in Deutschland heute schon mit H4, Energiekrise, Versorgungsengpässen, Dumpinglöhnen, Zwei-Klassen-Gesellschaft und einer sich immer weiter öffnenden Schere zwischen Arm und Reich. Das, was einmal selbstverständlich war, gibt es schon lange nicht mehr – nämlich den Verdienst eines einzelnen Familienmitglieds, der dann für Auto, Jahresurlaub und ein auf zwanzig Jahre abzustotterndes Eigenheim ausgereicht hat. Wenn ich mir allerdings so anschaue, wie sich Energiekrise und Energiekosten insbesondere hier in Deutschland und eben NICHT im umliegenden Ausland auswirken, dann beschleicht mich immer mehr ein leiser Verdacht: Könnte es sein, dass wir hierzulande so eine Art von Freilandlabor für ganz bestimmte Machtblöcke sind?

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