Den Zahnarzt braucht man manchmal, aber keiner geht da gerne hin. Mit Post und DHL verhält es sich für mich persönlich recht ähnlich – und das nicht nur, weil ich mit besagtem Unternehmen auch schon schmerzhafte interne Erfahrungen machen musste. Na gut, das liegt jetzt mittlerweile 15 Jahre zurück. Aber es waren ganz und gar keine schönen Erfahrungen, weswegen den heutigen Zustellern auch mein Mitleid sicher ist. Wen’s interessiert: Ich habe meine damaligen Erlebnisse im eBook „Abgestrampelt“ schon vor zig Jahren ausführlich beschrieben. Heute bin ich bloß noch Kunde des Unternehmens – und auch das nur gezwungenermaßen.

Jedenfalls … – hatte ich, weil’s hier auf dem Dorf ja kaum was zum Kaufen gibt, vier popelige Kerzenhalter über einen Internet-Versandhändler bestellt. Mal liefert der selbst aus, mal über Hermes, über UPS, über irgendwen oder eben auch über DHL. Die Sch…-Kerzenhalter kamen per DHL, und zwar als ich unterwegs war. Normalerweise ist das kein Problem. Da findet sich dann eine Benachrichtigungskarte im Briefkasten und bei nächstbester Gelegenheit holt man sich die Ware bei der genannten Poststelle ab. So lief es in der Vergangenheit. Poststellen sind allerdings Kostenfaktoren und deswegen hat das Zustellunternehmen die auch reihenweise dicht gemacht. Bevorzugt werden jetzt Packstationen. Ergo war auf meiner Benachrichtigungskarte auch eine Packstation zwecks Abholung angegeben, nur schlappe eineinhalb Kilometer entfernt!

Tja, ich also da hin. Bei Scheißwetter. Dann steht man da draußen im Schnee vor dem Apparillo und hält den Barcode der Benachrichtigungskarte vor den Scanner. Der erkennt den Code nicht, weil der Drucker des Zustellers Aussetzer produziert hat: Geniale Technik! Erst der Weg dahin, dann steht man verzweifelnd vor der Sch…- Maschine in Nässe und Kälte: Ich könnte kotzen … Auch der zehnstellige Code unter dem unlesbaren Barcode wird nicht akzeptiert – vermutlich, weil sich die absolut unlesbar gedruckten Ziffern im Grunde genommen nur erahnen lassen. Nach etwa dem dreißigsten Versuch (man ist ja willig) gab ich frustriert sowie völlig entnervt auf und wünschte mir nichts sehnlicher als einen 10kg-Vorschlaghammer zwecks Neuprogrammierung des Scanners.

Später setzte ich mich dann mit per I-Net mit DHL in Verbindung. Ich bekam die Info, dass ich ja ein persönliches Kundenkonto einrichten und da dann die Zugangsdaten abfragen könne. Machte ich. Dauerte zwar, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Ich erhielt anschließend allerdings lediglich die Auskunft, dass sich die vier popeligen Kerzenhalter in Packstation XYZ befinden – boah ey, da wäre ich von selbst nie drauf gekommen, nachdem ich vor der Sch….-Maschine in Nässe und Kälte beinahe ’nen Aggro-Anfall gekriegt hätte – und dass ich die erforderlichen Daten mit der Handy-App abfragen könnte. Folglich schnappte ich mir mein Smartphone, installierte die App, personalisierte sie (wobei nur ich viermal rausgeflogen bin) und versuchte es nochmal. Ich bekam die Auskunft, dass sich die vier popeligen Kerzenhalter in Packstation XYZ befinden, aber keine Zugangsdaten. Echt jetzt – POST & DHL WOLLT IHR MICH VERARSCHEN?!?

Aber die App hatte ja noch mehr Einstellmöglichkeiten. Die fand ich nach einiger Sucherei und viel Geduld nach etlichen Meldungen der Form „Technischer Fehler: Es ist ein technischer Fehler aufgetreten – bitte versuchen Sie es erneut!“. Da kommt dann irgendwann irgendwo mit SEHR viel Geduld und Einfallsreichtum in den tiefsten Tiefen von dem Teil die Frage: „Liegt Ihre Sendung in einer App-gesteuerten Packstation?“ Nee, tut sie nicht … – die Packstation vermittelt einen eher mittelalterlichen Eindruck, könnte allerdings auch Steampunk sein. Ergo tippte ich auf „Nein“. Und dann kam …

Ähemm… – hatte damit nicht das ganze Desaster angefangen? Der Hauptmann von Köpenick ist nicht tot! Er lebt in leicht variierter Form weiter! Sogar noch heute bei Post & DHL! Kommende Woche werde ich dann mal versuchen, eine der wenigen noch mit menschlichem Personal besetzte Poststelle ausfindig zu machen. Vielleicht kriegt man dann ja die Kuh vom Eis. Falls nicht weiß ich jedenfalls jetzt ganz detailliert, wie so genannte „nicht abgeholte Pakete“ zustande kommen. Die werden nämlich von Post & DHL produziert! Liebe Post- & DHL-Chefetage: Auf diese Weise hält man keine Kunden – man vergrault sie! Leisten kann sich sowas wirklich nur ein früheres Staatsunternehmen … Übrigens: Was die „Wirtschaftswoche“ im Jahr 2022 über die Situation von Zustellern bei Post und DHL schreibt ist wirklich nichts Neues. Das habe ich schon 2007 sehr, sehr ähnlich selbst erlebt (vgl. oben), nur nannten sich die „Flexbezirke“ damals noch „Bezirksvertretungen“. Aber das „Fußvolk“ kann man ja auch beliebig verschleißen … 😦

[Nachtrag 03.12.2022]
Die Kuh ist vom Eis! Zuerst war ich in einer Poststelle: „Nee, da kann ich Ihnen auch nicht helfen. Da müssen Sie sich direkt an DHL wenden!“ Tat ich – war aber nicht ganz einfach und mit viel Sucherei verbunden. Aus unerfindlichem Grunde lässt sich die betreffende I-Net-Seite auch nicht direkt verlinken und daher beschreibe ich hier nur mal den Weg dorthin. Zuerst ruft man dhl.de auf. Dort sucht man „Hilfe und Kontakt/ Packstation“ und klickt da auf. Anschließend „Probleme & Lösungen“ anklicken und auf der Seite ganz nach unten scrollen. Am Seitenende kommt „Hier geht es zum Kontakt“: Draufklicken! Wieder weit nach unten scrollen und auf „Rufen Sie uns an“ klicken. Auf der nächsten Seiten erhält man die Telefonnummer „0228-4333112“ und ruft da an. Es folgen Warteschleife und der unverzichtbare Sprachcomputer, wieder Warteschleife und irgendwann ertönt eine menschliche Stimme: Victory! Danach war alles ganz einfach. Ich schilderte mein Anliegen, Sendungsnummer und Adresse wurden überprüft und man gab mir einen Öffnungscode für die Packstation. Den da eingetippert, ergänzt um meinen Namen und mit deutlich vernehmbarem „Knack!“ öffnete sich eine Tür der Packstation. Warum nicht gleich so?

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