„Der Mensch braucht die Natur – aber die Natur braucht den Menschen nicht!“
(Eigene Erkenntnis)

Vorab: Wen das Eingangsbild jetzt verscheckt haben sollte – es handelt sich um eine authentische Aufnahme auf einem „Wet Market“ in Sulawesi, aufgenommen von meiner Ältesten im Jahr 2017 anlässlich einer Einladung nach Ostasien. So, und nachdem das jetzt geklärt wäre kann’s ja losgehen. Der Mensch – er fängt sich irgendeine virale Infektion ein und wird krank. Er bekommt Fieber. Ganz unabhängig von Immunsystem und Botenstoffen (sehr wohl aber dadurch initiiert) regelt sein Körper die Temperatur in einen Bereich hoch, den ein Virus normalerweise nicht dauerhaft überstehen kann. Meistens funktioniert das auch – bestes Beispiel dafür liefern die allseits bekannten und vorwiegend durch verschiedene Corona- und Paramyxoviridae verursachten Grippalen Infekte, also die ganz gewöhnlichen Erkältungen. Warum funktioniert das so? Parasitismus ist ein Erfolgsrezept der Natur und Viren sind Zellparasiten. Sie sind nicht-lebende Partikel. Nicht lebend deswegen, weil sie eigenständig weder Stoffwechsel noch Reproduktion aufweisen. Das ändert sich umgehend, sobald ein Viruspartikel in eine Zelle gelangt, denn dann wird die Zelle quasi „umprogrammiert“ und erzeugt neue Viren – bis sie von Viren gesättigt ist, platzt und die Viren freisetzt und danach abstirbt. Dem Parasiten ist aber daran gelegen, seinen Wirt am Leben zu erhalten, denn andernfalls stirbt der Parasit selbst ab.

Normale und in der menschlichen Zivilisation zirkulierende Viren – bspw. Windpocken, Röteln, Masern u. a. – sind daher an den Menschen und an dessen gleichbleibende Körpertemperatur angepasst. Aufgrund dieser Anpassung funktioniert auch das „Zerkochen“ mittels Fieber. Der Mensch hat eine normale Körpertemperatur von 36-37°C. Im Falle von Fieber wird die Temperatur hochgeregelt, notfalls bis hin in den lebensbedrohlichen Bereich um knapp 42°C. Da jede Temperaturerhöhung um 10°C die Geschwindigkeit chemischer Reaktionen verdoppelt, bringt die Temperaturerhöhung gerade auch die biochemischen Reaktionen bei der Abwehr von Krankheitserregern auf Höchstgeschwindigkeit. So funktioniert es zumindest bei den bei gleichwarmen Tieren (zu denen der Mensch ja auch zählt).

Es gibt aber auch Fälle, in denen die Immunabwehr unterlaufen wird, so bspw. weil ein Virus sich „tarnt“ – d. h. es bleibt zeitweis inaktiv in einer Zelle versteckt. AIDS ist ein Beispiel dafür. Gentechnisch in Laboratorien erzeugte Viren mit IL-4- und IL-10-Genen liefern andere, negative Beispiele (mit 100% Todesrate trotz Impfung – aber darum soll es hier nicht gehen). Daneben gibt es zusätzlich noch die Fälle, in denen ein Virus von einem wechselwarmen Tier auf den Menschen überspringt – womit wir bei den Fledermäusen bzw. Fledertieren (die eine sehr wichtige Rolle im Ökosystem spielen!) wären. Deren Körpertemperatur in der Winterruhe liegt irgendwo zwischen 0 und 5°C. Binnen einer Stunde kann die Fledermaus ihre Temperatur aber auf 38°C hochfahren – das ist der Wachzustand. Wenn sie zu fliegen beginnt, weist sie für die rund sechsstündige Dauer der Aktivitätsphase eine reguläre Körpertemperatur zwischen 42 und 43°C auf. Das alles – 0°C bis 43°C – ist ihr Normalzustand. Fieber hat sie dann noch nicht! Ein Mensch würde diesen Normalzustand niemals überleben, auch OHNE Virusinfektion.

Zurück zu den Viren – und zwar zu den Turboviren. Wenn Fledermäuse schlafen, dann tun sie das dichtgedrängt – zu Hunderten, Tausenden, Millionen (sofern der Platz dafür da ist). Jeder Fledermaus-Schlafplatz gerät damit de facto zu einer Art von „Virentauschbörse“. Die in Fledermäusen (genauer: Fledertieren) heimischen – da an sie angepassten – Viren ertragen einen weitaus größeren Temperaturbereich als der GESUNDE Mensch. Zusätzlich legt die Fledermaus gar keinen gesteigerten Wert darauf, ein Virus zu bekämpfen, denn das würde sie nur unnötig Energie kosten. Ihr reicht es völlig aus, einige Zellen vor dem Virus zu schützen: Soll es sich doch ruhig vermehren – so lange nur hinreichend viel gesundes Material übrig bleibt macht das gar nichts. Auch das ist ein Effekt, den das Immunsystem der Fledermäuse leistet. Anders gesagt: Ein an die Fledermaus angepasstes Virus schadet zwar der Fledermaus nicht, aber für den Menschen mit seinem um Größenordnungen schwächeren Immunsystem ist es, wenn es überspringt, i. d. R. ein Killer. Von welchen Erkrankungen spreche ich? Nun, bspw. von Lassa, Marburg, Ebola, SARS, MERS, Hendra, Nipah, Tollwut und nicht zuletzt von COVID-19. All das sind Turboviren, nämlich ursprünglich Fledermausviren.

Das Überspringen auf einen neuen Wirt muss gar nicht mal direkt erfolgen. Es können auch Zwischenwirte beteiligt sein: Im Falle von Marburg Affen, im Falle von Tollwut Füchse, im Falle von MERS Dromedare, im Falle von Hendra Pferde, im Falle von Nipah Schweine, im Falle von SARS Schleichkatzen usw. Im Falle von COVID-19 vermutet man aktuell Schlangen und Schuppentiere als Zwischenwirte. Bei allen diesen Viren handelt es sich um recht kleine, behüllte RNA-Viren. Recht klein bedeutet, dass das Genom vergleichsweise kurz ist – es beinhaltet Gene für die Virusreplikation, für die Oberflächenproteine, für die Virushülle und (vermutlich) auch noch ein paar Sequenzen für das Zusammenfügen all dieser Bausteine zum kompletten Virus. Die gesamte Arbeit übernimmt dabei die befallene Zelle.

Recht klein bedeutet aber auch, dass sich im Zuge der Replikation auftretende Kopierfehler – sprich Mutationen – stark bemerkbar machen. In Island hat man allein bei Infizierten aus diesem Land bis Mitte März vierzig verschiedene Mutationen von COVID-19 gefunden und man schätzt, dass wöchentlich mindestens ein neuer Mutant entsteht. Was bedeutet das nun für den Krankheitsverlauf? Er kann gänzlich anders aussehen! Das wohl brutalste Beispiel dazu liefert Ebola. Der Stamm Ebola Zaire verursacht ein tödliches, hämorrhagisches Fieber. Der sich davon nur geringfügig unterscheidende – aber luftübertragbare! – Stamm Ebola Reston verursacht stattdessen eine durchaus behandelbare Lungenentzündung. Bezogen auf COVID-19 bedeutet das, dass das eine Virus die Lunge angreift, das andere aber vielleicht Nieren, Herz oder Gehirn. Die unterschiedlichen Stämme sind es auch, die eine Immunität entscheidend beeinflussen. Das ist wie mit einer Grippe: Man kann sich gegen das, was erwartet wird impfen lassen und ist immun dagegen. Kommt aber stattdessen ein unerwarter Erregertyp, dann ist die Impfung nutzlos. Bei COVID-19 gibt’s aber nicht mal einen Impfstoff gegen das, was zu erwarten gewesen wäre und auch über eine etwaige Immunität (Wie lange und gegen welche Stämme?) kann heute noch niemand etwas Definitives sagen – insofern ist der Spahn’sche Immunitätspass auch schon wieder hahnebüchener Blödsinn …

Aber ich will hier nicht auf die Politik raus. Werfen wir nochmal einen Blick auf die Zwischenwirte, denn irgendwie müssen die Turboviren ja von den Fledertieren zu den Haus-, Nahrungs- und sonstigen Tieren gelangt sein, um von dort aus auf den Menschen überspringen zu können. Infektiös sind gemeinhin Kot, Urin und Speichel. Wenn eine Fledermaus also eine Frucht anfrisst, fallen lässt und die angefressene Frucht vom Schwein oder Pferd gefressen wird, dann ist die Infektionskette zum Zwischenwirt da. Schlangen können (zumindest etwas) im IR-Bereich sehen und daher zählen Fledertiere auch zur Beute der einen oder anderen Schlangenart – und wenn die Schlange dann auf einem Wildtiermarkt („Wet Market“ genannt) verhökert wird, um in der Suppe zu landen … Dieser erste Wirtswechsel bewirkt i. d. R. bereits durch Mutation eine nachhaltige Veränderung des ursprünglichen Virus. Eine, die es u. U. erst befähigt, auf den Menschen überzuspringen.

Und warum geschieht das gerade jetzt, zu dieser Zeit? Simple Antwort: Weil wir viel zuviele geworden sind. Weil wir eben genau deswegen in Gebiete eindringen, in denen solche Organismen heimisch sind: „Die Erde generiert gewissermaßen eine Immunantwort gegen die menschliche Rasse. Sie beginnt auf den menschlichen Parasiten zu reagieren, auf die überschießende Infektion durch Menschen, die betonierten Flächen überall auf dem Planeten, die krebsähnlichen Wucherungen in Europa, Japan und den USA – überfüllt mit sich hemmungslos vermehrenden Primaten, deren Kolonien größer und verbreiteter werden und die die Biosphäre mit Massenausrottungen schocken.“ Pathetische und brutale Worte – geschrieben 1995 von dem Wissenschaftsjournalisten Richard Preston in seinem Bestseller „The Hot Zone“ (sollte jeder mal gelesen haben, denn darin geht es um den realen Ebola-Reston-Outbreak nahe Washington DC). Aber – für uns Menschen leider! – vermutlich auch sehr wahre Worte.

Anders gesagt: Wenn ein Virus von einem Tier auf den Menschen überspringt, dann handelt es sich um eine so genannte Zoonose. Dann ist der Veterinärmediziner oftmals der kompetentere Ansprechpartner als der Humanmediziner, weil der Erstgenannte sich mit sowas u. U. schon auskennt. Das Überspringen hat zugenommen. Es wird noch weiter zunehmen. Von knapp 500 Zoonosen im Jahr 1980 ist die Zahl auf gut 1.500 Zoonosen im Jahr 2010 angestiegen und heute lassen sich 75% aller Infektionskrankheiten auf Zoonosen zurückführen. Ganz realistisch betrachtet bedeutet das: COVID-19 ist erst der Anfang – und zwar ein Anfang, bei dem wir noch unverschämtes Glück gehabt haben. Es hätte nämlich genausogut auch Nipah sein können: Übertragung durch die Luft von Mensch zu Mensch mit einer Todesrate von um die 80% – und die (wenigen) Überlebenden haben allerbeste Chancen auf eine irreversible, geistige Behinderung. Es ist allerhöchste Zeit, um unseren Umgang mit der Natur zu überdenken. Es ist allerhöchste Zeit, dass unsere Politiker das einsehen, die Weichen stellen und vorbeugend handeln! COVID-19 wird uns erhalten bleiben – da kommen mit Sicherheit noch ein paar Wellen; das ist ganz normales Infektionsgeschehen. Und es wird NICHT bei COVID-19 bleiben, wenn wir so weitermachen wie bisher! Wenn aber der nächste Erreger bei einer Pandemie auch ein Turbovirus ist … – ein Turbovirus könnte uns ausradieren. Alle!