„Wenn du mir das Garagentor anstreichst, dann mähe ich dir dafür den Rasen!“ Eine derartige Absprache ist – so sie denn zustande kommt – ein Tauschhandel. Der direkte Tauschhandel funktioniert im allgemeinen problemlos. Schwieriger wird es mit dem indirekten Tauschhandel. „Du hilfst mir bei der Kartoffelernte. Dafür gebe ich dem Schornsteinfeger ein paar Säcke mit Kartoffeln und der macht dir dann zum Ausgleich den Schornstein sauber – so wäscht eine Hand die andere.“ Der indirekte Tauschhandel mag mit drei oder vier beteiligten Parteien noch funktionieren, aber darüber hinaus wird es echt kompliziert. Um hier noch die Übersicht behalten zu können, ist ein Zwischentauschmittel nötig. Das nennt man Geld.

Das Zwischentauschmittel Geld wird von den Noten- oder Zentralbanken herausgegeben bzw. angefertigt. Damit das Zwischentauschmittel nicht überbewertet werden kann (Stichwort Inflation), muss ein realer Gegenwert dafür vorhanden sein, also entweder Arbeitskraft oder Rohstoffe wie z. B. Goldreserven. Die Notenbanken machen aber im allgemeinen keine Bankgeschäfte im landläufigen Sinne (Aktienhandel, Kreditvergabe, Immobilienhandel etc.). Das ist Sache der Geschäftsbanken. Geschäftsbanken sind die Banken, in denen spekuliert und gezockt wird. Sie bestehen i. d. R. aus komplexen Gefügen unterschiedlicher Unternehmen wie Bankbereich, Versicherungen, Immobilienfonds etc. – also aus Konzernen. Nach „Franz Hörmann und Otmar Pregetter: Das Ende des Geldes“ werden nur 3% des Geldes von den Notenbanken und 97% des Geldes von den Geschäftsbanken geschaffen. Oder, anders ausgedrückt: Nur für 3% des Geldes existiert ein realer Gegenwert.

Die von den Geschäftsbanken geschaffenen 97% des Geldes sind Luftnummern. Das ist Geld, welches aus dem Nichts entsteht. Wie kann jetzt aber eine Bank so eine Luftnummer erschaffen? Vereinfacht dargestellt funktioniert das so: Stell‘ dir vor, es gäbe weltweit nur einen einzigen Zehn-Euro-Schein. Den besitzt die Bank. Du aber brauchst ihn zeitweise. Ergo leihst du dir den von der Bank. Die gibt dir den Schein aber nicht völlig selbstlos, sondern sie verlangt dafür Zinsen, sagen wir der Einfachheit halber 10%. Das ist ein Euro. Irgendwann gibst du der Bank den Zehn-Euro-Schein zurück. Was den einen Euro an Zinsen – also an Schulden deinerseits – betrifft, da stellst du der Bank ein Schriftstück aus, auf dem zu lesen steht, das du der Bank einen Euro schuldest.

Die Bank macht dieses Verleihspielchen jetzt zehnmal. Nun besitzt sie den ursprünglich Zehn-Euro-Schein plus zehn kleine Zettelchen, auf denen jeweils ein Euro an Schulden bestätigt werden. Zusammen sind die soviel wert wie der ursprüngliche Zehn-Euro-Schein. Jetzt kommt jemand, der benötigt zwanzig Euro. Die Bank leiht ihm den ursprünglichen Zehn-Euro-Schein zzgl. der zehn kleinen Zettelchen, auf denen was von Schulden geschrieben steht. Auch da nimmt sie 10% an Zinsen. Sie bekommt also ihren Zehn-Euro-Schein, die zehn kleinen Schulden-Zettelchen und einen neuen Schuldenzettel über zwei Euro zurück. So geht das immer und immer weiter bis tief in die Milliarden oder gar Billionen hinein. Das dauert gar nicht mal so sonderlich lange, denn diese Art von Wachstum verläuft exponentiell. Bankster sprechen von einer „Blase“. Indes: An wirklichem Geld existiert immer nur nach wie vor der eine einzige, ursprüngliche Zehn-Euro-Schein. Was die Bank tatsächlich verleiht und womit sie ihr fettes Geschäft macht sind die Schulden! Diese Schulden sind virtuelles bzw. imaginäres Geld. Das gibt’s nämlich eigentlich gar nicht – aber die Bank differenziert nicht! Braucht sie auch nicht, denn sie besitzt de facto alles und kann jederzeit aus dem Nichts noch (sehr viel) mehr erschaffen. Das sichert ihre tonangebende Position.

So funktioniert unser Wirtschaftssystem, denn wie die Untersuchung „The Network of Global Corporate Control“ bestätigt, sitzen ganz oben an der Spitze der Pyramide nur ein paar wenige Finanzinstitute. Was wäre nun das Schlimmste, das der o. e. Bank passieren könnte? Das wäre eine Rückzahlung aller Schulden in realem Geld, also der Verzicht auf Schulden: Keine Schulden, kein Gewinn! Wenn die Vermögenswerte jetzt also so verteilt wären, dass jeder genug hätte und sich eben nicht nur alles an einem Punkt konzentrieren würde, dann wäre die Bank plötzlich völlig überflüssig geworden! Würde jemand wirklich einmal einen größeren Betrag benötigen, dann hätte er ja immer noch die Möglichkeit, eine Kooperation mit Gleichgesinnten einzugehen – wer bräuchte dann noch die Bank?

Wenn jetzt aber die Bank – respektive die Finanzinstitute an der Spitze der Pyramide – wegfallen würde, dann würde auch das Privileg, Geld aus dem Nichts zu erschaffen, wegfallen. Die logische Folgerung daraus lautet: Je mehr Geld außerhalb der Bank verfügbar ist, desto geringer fällt der Gewinn der Bank aus. An diesem Punkt ist jetzt nur noch eine einzige Frage von allumfassendem Interesse: Wer hätte einen Nachteil durch das Wegfallen dieses Privilegs? Na, klingelt’s? Versteht ihr jetzt, warum Löhne gedrückt, Mindestlöhne unterhalb der Armutsgrenze und Renten so niedrig wie irgend möglich gehalten werden – und warum mit der Wirtschaft verbandelte Politclowns euch weismachen wollen, dass in der neoliberalen Pseudoreligion von der Anbetung imaginären Geldes „in der Wirtschaft“ das Glück des Lebens liegt? Oder, umgekehrt gefragt: Was wäre denn, wenn alle diejenigen, die durch Herkunft oder/und Seilschaften in ihre hohe soziale Position gelangt sind, plötzlich pleite wären und durch ihrer Hände Arbeit für ihren Lebensunterhalt sorgen müssten? Wenn ihr allerdings keine Veränderung wollt, dann vertraut ruhig weiter auf diese vermeintlichen „Experten“ … 😦