Früher, vor knapp 40 Jahren, da arbeitete ich beruflich über einige Jahre hinweg im Labor mit Mikroorganismen. Ich fürchte die zwar nicht, habe aber einen ziemlichen Respekt vor diesen Mikrolebewesen (wobei ich den Begriff Lebewesen hier biologisch ziemlich unkorrekt insbesondere auch auf Viren anwende). Aktuell hat die Welt es mit dem neuen Coronavirus zu tun, offiziell Covid-19 genannt, und inoffiziell auch unter Corona oder unter Wuhanseuche bekannt. Ich verfolge den Verlauf des Ausbruchs seit dem Anfang dieses Jahres sehr aufmerksam und sehr genau, denn ich habe im Mai 2011 selbst erlebt, wie im Grunde genommen absolut hilflos unser viel gepriesenes Gesundheitssystem auf EHEC reagiert hat.

Zusätzlich habe ich es im April 2014 erlebt, wie meine Älteste mit hämorrhagischem Denguefieber in einer Klinik unter Federführung der durchaus renommierten MH Hannover aufgrund von Kompetenzgerangel und Einsparmaßnahmen beinahe unter die Räder gekommen ist (wobei das Landesgesundheitsamt nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus – die Genesung dauerte Jahre – sogar noch einen obendrauf gesetzt hat). Mit anderen Worten: Ich traue unserem Gesundheitssystem und vor allem aber den offiziellen Verlautbarungen aus dieser Richtung, aufgrund von schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit nicht über den Weg (nicht, dass es sich beim Gesundheitssystem um einen Einzelfall handeln würde, denn seinerzeit bei der Tschernobyl-Katastrophe hat man uns auch nach Leibeskräften verarscht – was ich allein schon deswegen ganz genau weiß, weil ich selbst zahllose Radioaktivitäts- und Kontaminationsmessungen im Auftrag Feuerwehr durchgeführt habe).

Jetzt also Corona bzw. Covid-19. Die Medien überschlagen sich mit sensationsheischenden Meldungen (z. B. durch Schlagzeilen wie „Mehr Tote als bei SARS!“) und berichten punktuell mal von hier und mal von da, aber ein Gesamtbild gibt’s nicht. Das muss man sich selbst zusammenzimmern. Habe ich gemacht und dabei auf offizielle Angaben zurückgegriffen. Zugegeben, nicht nur – auch fragwürdige Quellen – habe ich z. T. mit berücksichtigt. Am 30.12.2019 wurden erste Fälle in Wuhan gemeldet und die chinesische Staatsführung versuchte, das Geschehen unter den Teppich zu kehren. Das jedoch funktionierte nicht, denn die Krankheit griff um sich. Obgleich es sich offensichtlich um eine Zoonose (mit Fledermäusen als natürlichen Wirten) handelte, übertrug sie sich binnen Rekordzeit von Mensch zu Mensch, insbesondere auf einem Markt in Wuhan. Der Markt wurde geschlossen. Das jedoch hielt die Seuche nicht auf, woraus Indizien für eine vergleichsweise lange Inkubationszeit abzuleiten waren. In China wurden ganze Städte abgeriegelt – darunter Wuhan – doch das Virus hatte das Land, den Reiserouten der Menschen folgend, längst verlassen.

Seit Anfang Februar sind Fälle aus der ganzen Welt gemeldet worden. Diese Erkrankten wurden isoliert – sofern man die Erkrankung erkannt hat. Man versuchte, den „initial case“, den „Patienten 0“ – also den Anfang der Infektionskette – ausfindig zu machen und alle Kontaktpersonen in Quarantäne zu stecken. Das ist die einzige Möglichkeit, eine Seuche, die anderweitig nicht behandelt werden kann, einzudämmen. Kennt man „Patient 0“ nicht oder findet man nicht alle Kontaktpersonen, dann erfolgen weitere, unerkannte Ansteckungen und während der Inkubationszeit – d. h. während der Zeit, in der die Erkrankten noch symptomfrei sind – können auch diese künftigen Patienten völlig ungewollt und unwissentlich weitere Ansteckungen durchführen: Je länger die Inkubationszeit, desto mehr. Für Covid-19 lässt sich je nach Quelle eine Inkubationszeit von 0 bis 24 Tagen recherchieren (mit einem Median von 3 Tagen). Für die Übertragung von Mensch zu Mensch werden Schmier- und Tröpfcheninfektion mit einer Virenlebensdauer von bis zu 9 Tagen auf kontaminierten Flächen genannt. Schmierinfektion: Das ist der Haltegriff in der U-Bahn, das Treppengeländer, die Türklinke, der Griff des Einkaufswagens usw. Tröpfcheninfektion: Das ist die Übertragung durch die Luft, wenn ein Erkrankter geniest oder gehustet hat.

Wie verläuft eine Epidemie oder Pandemie so zahlenmäßig? Da muss ich auf mein altes Wissen zurückgreifen – es mag durchaus sein, dass das heute bereits überholt ist; das bitte ich unbedingt zu beachten. Daher kommt hier jetzt erst einmal ein kleiner Einschub. Die Frage nach dem Umfang eines Ausbruchs („Outbreak“) lässt sich (obgleich das heute vielleicht eine eher unübliche Vorgehensweise ist) vereinfacht anhand der „Verhulst’schen Wachstumsdynamik“ in etwa abschätzen. Die Gleichung dazu ist rekursiv und lautet „x[i+1]=x[i]*r*(1-x[i]/k)“. In dieser Formel bedeuten x Mikroorganismenanzahl/ Volumeneinheit, r Wachstumsrate der Mikroorganismen und k Grenzwert der Mikroorganismenanzahl (Populationsmaximum). Die Variable [i] entspricht der Zeiteinheit. Die Formel ist rekursiv, was bedeutet, dass das Resultat x einer Berechnung erneut als x[i] in die Formel eingesetzt wird, um x[i+1] zu ermitteln. Dieses Ergebnis x[i+1] wird anschließend als Anfangswert x[i] in die nächste Berechnung eingesetzt usw.

Die Gleichung liefert also eine Folge von Einzelresultaten, die zusammen genommen einen Verlauf oder eine Entwicklung ergeben. Bezogen auf die Ausbreitung einer Infektionskrankheit wäre x dann die Anzahl an Erstinfektionen/ Fläche, r die Anzahl der Neuansteckungen im Lauf der Inkubationszeit und k die Menge an infizierbaren Menschen, die während der Inkubationszeit kontaktiert werden kann. Der Dreh- und Angelpunkt bei der Verbreitung ist die Variable r, in epidemiologischen Modellen auch als r0 bezeichnet. Für natürliche Infektionskrankheiten wurde r0 empirisch auf ein Maximum von 22 festgelegt. Mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen kann dieser Grenzwert jedoch sehr wahrscheinlich überschritten werden. Auch ist aus Moskau im Jahre 1960 ein Fall von Variola-Major-Infektionen mit r0=46 bekannt geworden.

Bei r0=0 sind nur die Personen betroffen, die dem Agens direkt ausgesetzt worden waren. Dies entspricht der Wirkungsweise einer militärischen Biowaffe, wie bspw. Anthrax (Lungenmilzbrand). Bei r0<1,19 läuft sich die Erkrankung von selbst tot. Bei 1,2<r0<2,74 persistiert die Erkrankung dauerhaft auf einem nahezu konstanten Level – AIDS ist ein Beispiel hierfür. Bei 2,74<r0<3,41 tritt einfache Periodizität auf – als Beispiele mögen die im Frühjahr und Herbst gehäuft auftretenden Erkältungskrankheiten dienen. Bei 3,41<r0<3,7 kommt es zur überlagerten Periodizität oder bereits zu chaotischem Verhalten – vgl. Masern und Windpocken. Bei 3,7<r0<4 verlaufen die Krankheitsausbrüche chaotisch u. d. h. auf Phasen ohne Krankheit folgen blitzartige Ausbrüche scheinbar „aus dem Nichts“ heraus. Bei r0>4 ist der Pandemieverlauf exponentiell und nicht mehr zu stoppen, sofern die Anzahl k der infizierbaren Menschen nicht gegen null tendiert (bspw. durch Isolation erkrankter Personen, Ringimpfung o. ä.). Der Outbreak verbreitet sich wie ein Steppenbrand. Für Pocken bspw. wird ein typischer r0 von 10-17 angenommen (bei „heißen“ Stämmen mehr, die Meschede-Pocken von 1970 wiesen r0=21 auf!), bei der Lungenpest ein r0>10. Beulenpest, Ebola und Marburg liegen bei einem r0 von 3,7-4 und sind daher indeterministisch. Setzt man eine Inkubationszeit von 1-2 Wochen voraus (Ebola, Marburg, Pocken usw.), dann sind Outbreaks, welche auf einem r0>3,63 basieren, technisch praktisch nicht mehr zurück zu verfolgen.

Die Infektionsrate von Covid-19 wird mit 5,7 Personen – mithin also r0=5,7 – angegeben. Gemäß der o. e. Gleichung wäre damit eine Pandemie entgegen aller Anstrengungen ohne Impfung und ohne konsequente Isolierung der Patienten nicht aufzuhalten und das aktuelle Geschehen in Italien („Patient 0“ ist immer noch nicht gefunden worden, so dass die Infektionskette auch nicht unterbrochen werden kann) weist exakt in eben diese Richtung. Erschwerend kommen die zunächst noch eher unspezifischen Symptome der Krankheit hinzu: Fieber und Husten, in einigen (ganz) wenigen Fällen auch noch Erbechen oder Durchfall. Im Falle von Komplikationen treten noch Atem(wegs)beschwerden auf, die zum Tod führen können. Da tippt jeder doch zuerst auf einen grippalen Infekt und wegen sowas rennt man nicht gleich zum Arzt! Das bedeutet: Es mag durchaus unerkannte Infektionsfälle geben, die dann wieder andere anstecken usw. Hat schonmal jemand die Dose im Supermarkt angefasst und wieder zurück gestellt? Es lebe die Schmierinfektion … So betrachtet wage ich auch die „Schutzwirkung“ dieser besseren „Malermasken“ ernsthaft zu bezweifeln. Außerdem verändert sich das Virus aufgrund von Mutation, so dass mittlerweile verschiedene Stämme im Umlauf sind. Ein Impfstoff ist übrigens (noch) nicht in Sicht, denn daran wird zwar gearbeitet, aber bis das Thema spruchreif ist, dürften noch mindestens eineinhalb Jahre vergehen.

Doch es wird noch undurchsichtiger: Covid-19 verläuft längst nicht bei allen Erkrankten in gleicher Weise! Kinder unter zehn Jahren bspw. stecken die Krankheit i. d. R. weg. Kritisch im Hinblick auf Komplikationen wird es mit zunehmendem Alter ab etwa 40 Jahren. Die Mortalität (Sterblichkeit) nimmt bei bei 60+Jährigen stark und bei 70+Jährigen rapide zu, wobei das Verhältnis Männer zu Frauen bei etwa 3:2 liegt. Ferner sind alle diejenigen einem höheren Risiko ausgesetzt, die ACE-Hemmer gegen Bluthochdruck einnehmen – also bspw. Ramipril o. ä. D. h. es gibt bei Covid-19 eine Risikogruppe, nämlich vorwiegend Männer im Alter von über 60, die mit Medikamenten gegen Bluthochdruck behandelt werden (womit ich selbst ein Paradebeispiel der Risikogruppe bin). Das ist gemeint, wenn in offiziellen Verlautbarungen von ominösen „Vorerkranken“ gesprochen wird – aber warum sagt das keiner deutlich? Die mitunter genannten Todesraten von 2-3% haben somit nur rein statistischen Wert und geben die tatsächliche Situation der Betroffenen so auch nicht wieder. Zu den aktuellen Zahlen vgl. übrigens die WHO-Veröffentlichungen, anhand derer sich jeder per Dreisatz die aktuelle, mittlere Sterblichkeitsrate selbst ausrechnen kann.

Fazit: Covid-19 wird Stand heute aller Wahrscheinlichkeit nach zur Pandemie werden. Allerdings zu einer selektiv tötenden Pandemie, über die Renten- und Pflegeversicherungen hocherfreut sein dürften, spart denen das doch auf lange Sicht hohe Ausgaben. Zwischenzeitlich gibt es kein Gegenmittel und eine Behandlung ist nur so lange symptomatisch möglich, wie die Kliniken nicht überlastet sind. Wer darüber hinaus noch aktuelle, gesicherte Informationen unabhängig von den Katastrophenmeldungen der Medien sucht, der ist mit dem RKI und dem ECDC als Informationsquellen recht gut beraten. Man kann Covid-19 m. M. nach durchaus mit der Bekämpfung eines Buschfeuers durch die Feuerwehr vergleichen – erwischt man ausnahmslos alle kleinen Brandherde, dann hat man das Feuer unter Kontrolle. Übersieht man aber nur ein einziges Glutnest, dann kann daraus eine unkontrollierbare Feuerwalze entstehen. Momentan – in Italien – weiß man, dass man einen Brandherd übersehen hat, sucht aber vergeblich danach!

[Edit: Nachtrag]
Ich habe diesen Beitrag etwa um 13.00 Uhr veröffentlicht. Die verlinkte WHO-Seite mit den Fallzahlen war um 17:00 Uhr noch allgemein zugänglich, um 19:00 Uhr allerdings nicht mehr. Parallel dazu berichtete die Sendung „Heute“ um 19:00 Uhr über zig neue Fälle in Europa und über viele neue Tote. Was ist da los? Nachrichtensperre erster Teil?