Es gibt Menschen, die legen sich mit schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre ein neues Smartphone zu. Zu denen zähle ich mich nicht, denn einerseits möchte ich nicht ständig aktiv am Erhöhen von Mt. Kippe beteiligt sein und andererseits folge ich liebend gerne dem bewährten Wahlspruch: „Never change a running system!“ Unabhängig davon gibt’s da dann allerdings auch noch zusätzlich meinen ganz persönlichen Angstgegner. Das ist die VR Secure App der Volksbank. Braucht man für’s Online-Banking oder wenn man einfach nur mal den Kontostand zuhause abfragen will. Und natürlich auch, wenn eine Online-Bestellung mittels TAN zu bestätigen ist. Früher, als die Bank noch täglich geöffnet hatte, waren alle solche Sachen am Schalter kein Problem. Heute, wo nur noch an zwei Nachmittagen pro Woche für wenige Stunden geöffnet ist, führt kein Weg mehr an der Online-Geschichte vorbei.

Irgendwann gab’s dafür also die VR Secure App. Die installierte ich mal auf einem meiner längst schon abgelegten Handys. Um die App freischalten zu können bedurfte es gewisser per Post übermittelter Zugangsdaten, die niemals bei mir angekommen sind. Das funktionierte dann erst nach dem dritten Bankbesuch (wobei ich mich schon mächtig angepisst fühlte) und mein ganz persönlicher Eindruck von der App war – sehr beschönigt ausgedrückt – nicht wirklich der Beste. Später kam dann die VR Secure Go App. Auch da wurden die Zugangsdaten postalisch zugestellt. Sie funktionierten nur leider nicht und die Einrichtung der App musste zwangsläufig gleichfalls am Bankschalter vorgenommen werden, inklusive Deinstallation und Neuinstallation.

Vergangene Woche nun habe ich mein neues Moto G30 mit 128GB Internspeicher eingerichtet, weil das sechs Jahre alte Moto G4+ permanent Fehlermeldungen von wegen „zuwenig internem Speicher“ machte – kein Wunder, wenn von 10GB Internspeicher acht auf das Android und eins auf die Apps entfallen: Mit 10GB Internspeicher kann man heute nichts mehr werden. Das Einrichten eines neues Handys ist ja an sich auch kein Ding, zumal ich das nun schon zigmal gemacht habe. Gäbe es da nicht meinen Angstgegner, der sich jetzt VR SecureGo plus nennt. Im Google Play Store hat die App Top-Bewertungen a la „Absolute Katastrophe“, „einfach nur sowas von Peinlich“, „die schlechteste App, die ich je benutzt habe“, „Klappt überhaupt nicht“ usw. Das allerdings war mir vorher schon durchaus geläufig. Das bin ich von dieser App und ihren Vorläufern doch gar nicht anders gewöhnt!

Letzten Montag also die App aufgespielt und die Zugangsdaten sollten wie üblich (oder auch nicht) binnen drei Tagen per Brief kommen. Posteingang? Fehlanzeige, wie gewohnt! Bin ich heute am Nachmittag – einer der seltenen Tage, an denen der Bankschalter noch besetzt ist – folglich mit meinem neuen Handy zur Bank gedackelt und habe der freundlichen Dame am Schalter das Problem geschildert. „Das haben wir gleich; das ist ganz einfach!“, meinte sie und ich dachte bei mir: „Mädchen, wenn du dich da man nicht täuscht!“ Jedenfalls rief sie an ihrem Bankster-PC meine Daten auf, griff zu meinem Handy und tipperte die neuen Zugangsdaten ein. „Ich mag dich nicht!“, entgegnete mein Angstgegner und verweigerte die weitere Zusammenarbeit. Für’s erste, denn zwei Versuche hatte sie ja noch.

„Komisch …“, murmelte die bemitleidenswerte Bankmitarbeiterin, „… muss ich mich wohl vertippt haben!“ Sie versuchte es nochmal. „Denkste!“ antwortete die App. Blieb noch ein letzter Versuch. Sie unternahm ihn. Die Reaktion der App darauf ließ mit „Leck‘ mich!“ keinerlei Zweifel am mangelnden Teamgeist dieses Stücks von Murkssoftware aufkommen. Ganz ehrlich? Ich hatte nichts anderes erwartet! Die bedauernswerte Angestellte wurde ein wenig fahrig. Ich schaute zu, wie sie die App deinstallierte. Anschließend Neuinstallation – dauerte; ich weiß zwar nicht welches Netz die da in der Bank haben, aber viel was anderes als EDGE bei ungünstigem Wind kann’s eigentlich nicht sein – und noch’n Versuch!

Dieses Mal allerdings über einen QR-Code, den sie auf den Bildschirm ihres Bankster-PCs zauberte. Theoretisch müsste die App jetzt funktionieren. Mittels Kontoabfrage ausprobiert: Ja, haut wohl hin – lästig ist nur, dass ich jetzt schon vier Ziffernkombinationen brauche um Kontoeinsicht zu erhalten oder Transaktionen durchführen zu können. Und als ich die Bank verließ, da hörte ich die Angstellte nur noch zu ihrer Kollegin sagen: „Mit dieser Scheiß-App gibt’s nichts als Ärger!“ Tja … – wie war das doch gleich? Man wächst mit seinen Aufgaben! Für’s Erste scheint der Angstgegner besiegt worden zu sein … Außerdem: Ich finde es immer wieder äußerst erhebend wenn ich feststelle, dass ich nicht alleine zu doof bin! 😉