Ein gängiges Verfahren der Fotografie um Motive heraus zu stellen besteht darin, nur das Motiv scharf abzubilden und zugleich eine merkliche Hintergrundunschärfe zu erzeugen. Einerseits kann man das mit offener Blende (u. d. h. kleiner Blendenzahl) bewerkstelligen – Stichwort Bokeh – und andererseits auch nachträglich mittels Bildbearbeitung hinzufügen. Am einfachsten funktioniert die letztgenannte Variante zwar mit PhotoScape, ist dort aber auf regelmäßige Ausschnitte wie bspw. Kreis oder Ellipse beschränkt. Hat man hingegen ein unregelmäßiges Motiv, dann ist GIMP das Programm der Wahl. Wie ist dabei vorzugehen?


Im Originalbild ist der Hintergrund zwar bereits bedingt durch die Blende während der Aufnahmesituation etwas unscharf, aber noch nicht unscharf genug.

Zuerst wird das Bild mit „Datei/ Öffnen“ unter GIMP geladen. Man klickt es im Ebenenfenster an und wählt in der sich öffnenden Liste „Ebene duplizieren“. Nun steht die duplizierte (und zu bearbeitende) Ebene oben und die Ebene mit dem Originalbild unten. Danach bemüht man „Filter/ Weichzeichnen/ Gaußscher Weichzeichner“.


Der Weichzeichnungs-Filter.

Hierzu sind noch ein paar Anmerkungen nötig. Der Weichzeichnungsfilter liefert eine Vorschau der Änderungen. Allerdings erscheint er je nach GIMP-Version mit etwas unterschiedlichem Aussehen. Bei den älteren Versionen wird das Weichzeichnen unmittelbar angezeigt. Bei den neueren Versionen muss u. U. erst in der Filter-Dialogbox unter „Einstellungen: Zuletzt verwendet …“ die Ebenenkopie aktiviert werden, damit das Weichzeichnen auch angezeigt wird. Abgesehen davon arbeitet der Filter bei allen Versionen gleich. Je höher die Bildauflösung ist, desto größer ist auch die benötigte Unschärfe. Als Orientierungspunkte mögen die hier im Beispiel für ein Bild von 2048*1536px gewählten 10-15px an Unschärfe dienen. Größere Bilder erfordern höhere und kleinere Bilder geringere Unschärfen. Mit „OK“ wird die Anwendung des Filters bestätigt.

Anschließend im Ebenenfenster mit der rechten Maustaste auf die (jetzt unscharfe) Ebenenkopie klicken und „Ebenenmaske hinzufügen“ wählen. In der sich öffnenden Dialogbox wird „Ebenenmaske initialisieren mit Weiß (volle Deckkraft)/ Hinzufügen“ selektiert. Nun sicherstellen, dass (unter dem Werkzeugkasten) die Vordergrundfarbe Schwarz und die Hintergrundfarbe Weiß ist. Im Werkzeugkasten das Pinselwerkzeug anklicken und – für die o. e. Bildmaße – die Pinselgröße auf ungefähr 45 justieren. Damit die äußeren Kanten des scharf abzubildenden Motivs übermalen. Für die innen liegenden Flächen nimmt man Pinselgröße 70. Auch das sind selbstverständlich nur Orientierungspunkte, die sich nach den Bildmaßen richten: Größere Bilder erfordern größere und kleinere Bilder eben kleinere Pinsel. Durch das Übermalen verschwindet das bisher auf dieser Ebene unscharfe Motiv und das scharfe Motiv aus der darunter liegenden Originalebene kommt wieder zum Vorschein.


Die Hintergrundunschärfe hat sichtlich zugenommen.

Zuletzt wählt man „Ebene/ Nach unten vereinen“ und exportiert das fertige Bild.


Der unmittelbare Vorher-Nachher-Vergleich.

Da man bei dem Übermalen erfahrungsgemäß wirklich nicht sonderlich genau arbeiten muss ist das Ganze nur eine Sache von wenigen Minuten an Arbeit.