Immer dann, wenn meine Frau irgendwo ein Angebot sieht, überkommt sie so eine Art von Kaufzwang. Zum Wochenanfang auch und zwar das 9€-Ticket betreffend. So eins brachte sie mir mit den Worten „Vielleicht brauchst du’s ja mal!“ mit. Hm, ja … – aber nach Sylt zieht es mich nicht und Bahnfahren in Deutschland ist bekanntlich das letzte große Abenteuer unserer Zeit. Jedenfalls im Fernverkehr. Im Regionalverkehr wird zusätzlich noch die Leidensfähigkeit und die Nervenstärke der Fahrgäste getestet – oder trainiert, je nachdem wie oft man mit der Bahn unterwegs ist. Jedenfalls war da dann vom Freitag, dem 10.06.2022 bis heute zum Sonntag, dem 12.06.2022, dieses CoViD-Massenimmunisierungsevent, genannt „Tag der Niedersachsen“ und das fand in Hannover statt. Für Ortsfremde: Hannover ist diese klägliche Ansiedlung an der Kreuzung von A2 und A7 – also da wo die Autofahrer die meisten Reste aus den Fenstern schmeißen, was den Einheimischen die Nahrungssuche vereinfacht.

Die Feier zum Tag der Niedersachsen fand statt, weil unser Bundesland 75 Jahre alt geworden ist. „Prima“, sagte ich zu meiner Frau, „dann können wir ja alle ab morgen kollektiv in den Ruhestand treten und brauchen nicht mehr zur Arbeit!“ Sie nuschelte aber bloß was in der Richtung, dass ich das falsch verstanden hätte oder so … Na ja, egal! Jedenfalls einigten wir uns darauf, heute nach Hannover zu reisen und uns den Tag der Niedersachsen mal zu Gemüte zu führen. Für die drei Tage hatte die Stadt 400.000 Gäste erwartet. Wenn ich die auf den knackevollen Bahnsteigen gestrandeten 9€-Abenteurer mitrechne dann könnten es sogar noch deutlich mehr gewesen sein! War echt interessant: Früher begnügten die sich damit, auf ihren Handys Sudoku zu daddeln und heute, in der fortgeschrittenen Real-Life-Phase, da wird verzweifelt nach dem Ersatz für verpasste Anschlüsse im Regionalverkehr gesucht. Dabei hat die Bahn sich sogar echt bemüht und hatte Mitleid mit den Reisenden. OK, der ICE aus Düsseldorf hatte zwar gut zweieinhalb Stunden Verspätung – aber ER IST GEFAHREN! Selbstverständlich ist sowas ja nun wirklich nicht. 😉

Doch ich schweife ab. Zurück zum Thema, zum Tag der Niedersachsen. Was ist darunter zu verstehen? Mehrere Bühnen der örtlichen Rundfunkstationen mit mehr oder weniger (eher weniger) bekannten Stars. Die Straßen vom Rathaus in Richtung Süden waren rund um den Maschteich und ein Stück am Maschsee entlang für den Straßenverkehr gesperrt. Stattdessen präsentierten sich Tourismus, Stadtverwaltung, Vereine, Finanzinstitute usw. – wie bei einer kleinen Messe. In Richtung Maschsee dann noch LKA, Verfassungsschutz und Justiz – aber da die mich wahrscheinlich ohnehin als Gefärder einstufen würden habe ich die ausgelassen. Dazwischen sehr(!) viel Security, viel Polizei (inklusive Maschinengewehren), massenhaft Besucher und keine Punker (die sind z. Zt. als 9€-Abenteurer ja offensichtlich alle auf Sylt).

Die Anzahl der Fressbuden hielt sich in engen Grenzen. Entsprechend hoch waren die Preise (ich konnte mich beherrschen!) und entsprechend lang waren die Schlangen. Das Highlight bildete dann noch der Trachtenumzug mit 80 Gruppen aus ganz Niedersachsen: Schön bunt und echt was für’s Auge. Davon hätte sich Ministerpräsident Stephan Weil mal ruhig ’ne Scheibe abschneiden können, doch der beließ es beim grauen Anzug. Dabei würde den meisten Politikern doch ein N…-Kostüm viel besser zu Gesicht stehen, aber das ist selbstverständlich nur meine ganz persönliche Meinung und meine Meinung über Politiker ist ohnehin nicht öffentlichkeitstauglich. Jedenfalls habe ich viele – viel zuviele! – Fotos gemacht. Bis der Akku kein‘ Bock mehr hatte und in Streik getreten ist. Hier ist mal ein Dutzend Aufnahmen: Draufklicken zur Großdarstellung in einem separaten Tab!