Morgendliches Erwachen. Was der Tag wohl bringen wird? Auf jeden Fall vier bis sieben Stunden an Pflegearbeit, so wie immer. Zwei demente und körperlich eingeschränkte Pflegefälle, nämlich meine Schwiegereltern. Ablehnend, abweisend, unkooperativ, weil jede Tätigkeit als Einmischung missverstanden wird. Weil sie es in ihrem Zustand nicht besser verstehen können. Nie ein „Danke“, stattdessen Beschimpfungen, Beleidigungen, Zurückweisungen, dümmlichste Unterstellungen, dreisteste Lügen anderen gegenüber und ab und an sogar mal ein tätlicher Angriff. Obendrein noch unsauber … Das ist krankheitsbedingt; ist mir durchaus klar. Aber das macht es nicht gerade einfacher.

Meine grenzdebile Schwägerin, auch unsauber, Opfer von Masernenzephalitis und obendrein noch aggressiv: Im langjährigen Mittel ein Angriff auf einen Mitbewohner oder Außenstehenden täglich, durchschnittlich alle zwei Wochen ein Verletzter. „Aber die meint das ja nicht so!“, wird gesagt. Weiß ich. Aber Verletzung bleibt Verletzung. Mit der „Meint-Das-Nicht-So“-Begründung könnte man auch jeden irren Massenmörder frei rumlaufen lassen. Wenn ein Tag so beginnt – wenn jeder Tag so beginnt, und zwar schon seit zig Jahren! – dann möchte man am liebsten nur noch ganz weit weg.

Das Jahr hat 52 Wochen. Es ist schon schwierig genug, auch nur eine einzige Woche mal von dem ganzen Pflegeterror Abstand gewinnen zu können. Meine Schwiegereltern sind dabei noch das kleinste Problem, denn die würde ich auch gegen ihren Willen in eine Kurzzeitpflege geben. Aber meine Schwägerin kriegen wir nirgendwo unter. Da wird nur abgewunken und was von „geschlossene Psychiatrie“ gemurmelt. Alleine lassen können wir die nicht. Erst gestern habe ich einen Wohnungsbrand verhindert, weil sie mit Streichhölzern rumgekokelt hat. Meine Schwiegereltern saßen untätig daneben – sagt alles über deren mentale Fähigkeiten. Als ich ihr die wegnahm (weil sie ein brennendes Streichholz in die volle Schachtel stecken wollte) griff sie mich gleich zweimal an. Wurde abgewehrt. Auch ’ne Form von Pflege … 😦

Ich brauche solchen Terror nicht. Ich will raus! Weg! Folglich machte ich mich vormittags auch gleich, nach mir die Sintflut, auf in den Wald. Auf zu „meinem“ Teich. Der ist natürlich nicht mein Eigentum, aber er liegt so versteckt, dass sogar nur die wenigsten Einheimischen von seiner Existenz wissen: Unbewirtschaftet und naturbelassen – mein Rückzugsgebiet und daher auch „mein“ Teich. Im Frühjahr folgen die Amphibien und Reptilien, die durchaus fotogen sind, einer festen Reihenfolge. Zuerst kommen die Kröten (die habe ich in diesem Jahr verpasst). Dann tauchen die Fadenmolche auf (das war vor zwei Wochen der Fall), anschließend die Bergmolche (sind jetzt da), gefolgt von den Fröschen (fehlen noch) und ganz zuletzt im Juni sind schließlich die Feuersalamander unterwegs. Momentan ist folglich Bergmolch-Zeit. Bergmolche sind i. d. R. im besagten Teich zu finden.

Ich mag mich vielleicht täuschen, aber so auf die letzten fünf Jahre gesehen kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass die Anzahl der Amphibien und Reptilien deutlich zurückgegangen ist. Schon auf dem Weg zum Teich erwiesen sich die üblichen Laichgewässer der Molche als unbewohnt. Später am Teich waren zwar etliche Molche zugegen, aber auch nicht in den Mengen, wie es sie hier vor noch gar nicht langer Zeit mal gab. Aber für eine Reihe von Fotos hat es doch gereicht. Molche kann man auf drei Arten fotografieren. Im Aquarium und das ergibt die farbenprächtigsten Bilder. Oder rausfangen und in die Sonne setzen. Das werden bemerkenswerte Makroaufnahmen. Oder man versucht es in freier Wildbahn, durch die Wasseroberfläche hindurch. Ist mitunter etwas schwierig.

Wie fotografiert man eigentlich Molche in ihrem natürlichen Element? Zuerst mal muss man in Erfahrung bringen, wann man wo welche antrifft, was ohnehin auf stehende Gewässer mit nicht saurem und nicht fauligem Wasser beschränkt ist. Dann muss man die Tiere selbstverständlich auch entdecken können, denn sie sind Meister der Tarnung. Was kein Wunder ist, da keiner der zahlreichen Reiher und kaum einer der weniger zahlreichen Störche so einen Proteinhappen verschmäht. Man sucht sich eine Stelle am Gewässer, an der das Ufer nur flach ist und die Sonne ungehindert bis zum Grund durchdringt, damit das Licht halbwegs stimmt. Zugleich darf auf der Wasseroberfläche nichts reflektieren und der eigene Schatten nicht auf das Wasser fallen. Die Tiere meiden solche Stellen nach Möglichkeit, denn dort sitzen sie für ihre natürlichen Feinde wie auf dem Präsentierteller. Macht nichts: Geduld! Irgendwann durchschwimmt mal ein Molch diese Stelle – man wartet also, bis die Tiere von selbst kommen – und dann muss man eben schnell genug auf den Auslöser drücken. Nach rund anderthalb Stunden sind etwa 90 Bilder im Kasten. Der Rücken tut vom verkrümmten Stehen weh, die Füße sind eingeschlafen und die Schuhe durchgeweicht. Macht auch nichts!

Wieder zuhause wird das Material gesichtet. Ein Drittel kann man wegen der Unschärfen gleich wegwerfen. Ein weiteres Drittel kommt in die engere Auswahl. Etwa die Hälfte davon wird dann – z. T. aufwändig – nachbearbeitet, um die Tiere auch einigermaßen sichtbar zu machen. So lief das auch heute. Hier ist mal ein Dutzend Aufnahmen von Fadenmolchen (braun) und Bergmolchen (blau) in „meinem“ Teich. Draufklicken zur Großdarstellung in einem separaten Tab!