Manchmal – ganz selten u. d. h. nur alle paar Jubeljahre mal – gelingt es mir mitunter, ein Foto zu verkaufen. So standardmäßig nehme ich dann zumeist den Freundschaftspreis von fünfzig Teuronen. Weil das immer so eine Sache ist, wieviel man für ein Foto verlangen kann. Es gibt aber auch Leute, denen das noch viel zuviel ist. Keine Privatpersonen … – nein, Unternehmen! Und zwar besonders große und renommierte Unternehmen. So erhielt ich vor geraumer Zeit mal ein „Angebot“ von einer ziemlich angesagten Werbeagentur aus Berlin. Die wollten von mir fünf großformatige Panos aus Wolfsburg, Braunschweig und Hannover für Plakatwände haben. Großformatig bedeutet für Abzüge so i. d. Größenordnung von 10*3m oder 6*2m geeignet. Könnte ich machen. Das ist ja auch ungefähr so das Format, mit dem ich meine Panoramen im Original aufnehme. Vor allem aber „lockten“ die mit einer Wahnsinnsbezahlung: Satte zwanzig Euro pro fertiges Pano inklusive aller Rechte daran und die Fahrtkosten sowie weitere Spesen hätte ich selbst tragen sollen. Ähem… – verarschen kann ich mich alleine! Dafür brauche ich keine vollgekoksten Werbefuzzies!

Rechnen wir mal: Was kostet eigentlich ein Pano, wenn man es mal ganz realistisch betrachtet? Angenommen, du kennst dich in der Ggend, in der die Aufnahme erfolgen soll, einigermaßen aus. Dann erledigst du die Suche nach einer geeigneten Location wahrscheinlich binnen Rekordzeit u. d. h. binnen etwa zwei Stunden. Die Location ist das A und O, weil man für ein Pano eine gute Aussicht braucht. Jetzt heißt es, geeignetes Wetter, Licht usw. abzuwarten. Wenn alles passt, dann machst du dich nochmal auf den Weg und erledigst die Aufnahmen. Das sind so rund acht bis achtzehn Einzelfotos pro Pano. Zwei Panos musst du in jedem Fall machen, denn es kann gut sein, dass eins davon nichts wird. Wenn du nämlich nur eins hast und das ist Murks, dann fängst du wieder komplett von vorne an. OK, die Aufnahmen sind jetzt im Kasten. Das hat nochmal eine Stunde gedauert. Macht zusammen schon drei Arbeitsstunden, Anfahrt nicht gerechnet.

Aber es geht ja noch weiter. Bislang hast du nur Einzelbilder. Die müssen zu den beiden o. e. Panoramen noch zusammengesetzt werden. Sicher, das erledigen Rechner und Software. Aber erfahrungsgemäß musst du mit mindestens zwei verschiedenen Programmen arbeiten und ausprobieren, welches davon im vorliegenden Fall das bessere Ergebnis liefert. Das dauert. Macht pro Roh-Panorama nochmal jeweils etwa zwei Stunden (denn bei der Bildgröße quält sich jeder Rechner verdammt lange!) – zusammen also vier – und in Summe bist du nun schon bei sieben Arbeitsstunden.

Aber das sind erst die Roh-Panoramen. Die bedürfen der umfangreichen Nachbearbeitung hinsichtlich Sättigung, Kontrast, Ausleuchtung usw., denn die sollen als Abzüge bzw. bei der Präsentation ja so richtig knackig ins Auge springen. Auch in diesem Falle fängt so ziemlich jeder Rechner angesichts des Datenvolumens mächtig an zu quietschen, wenn er nicht ohnehin gleich aussteigt. Angenommen er steigt nicht aus, dann erfordert jedes Pano günstigstenfalls nochmals eine Stunde an Nachbearbeitung. Eins der beiden Panos nimmst du schließlich. In Summe bist du jetzt schon bei neun Arbeitsstunden.

Fotografie ist irgendwo auch Handwerk. Wie hoch ist ein Handwerker-Stundenlohn? Legen wir mal die 42,50€ eines Klempners lt. unserer Heizungsrechnung vom letzten Herbst zugrunde und klatschen die Märchensteuer obendrauf: Macht gut 50 Teuronen pro Arbeitsstunde. Neun Arbeitsstunden mal fünfzig Teuronen sind 450€ für EIN Panoramabild! Kommen noch die Bildrechte hinzu; ist nochmal mindestens ein Fuffi. In Summe sind das dann 500€ für den Verkauf einer großformatigen Panoramaaufnahme und da sind Fahrtkosten, eigenes Equipment und sonstige Spesen (Essen, Unterkunft, ggf. Eintritt etc.) noch nicht mal bei berücksichtigt!

Das wäre m. E. das Minimum dessen, was man für ein großformatiges Panorama verlangen sollte bzw. sogar muss. Bezogen auf das eingangs angeführte „Angebot“ der Werbefuzzies aus Berlin würde das bedeuten, dass die mich mit einem Stundenlohn von 2,22€ abzüglich Nebenkosten etc. über den Tisch ziehen wollten. Also: Wenn ihr fotografiert und wenn jemand ein Bild von euch haben will, dann könnt ihr es verschenken. Wenn aber jemand beabsichtigt, damit Kohle zu scheffeln, dann soll er euch gefälligst auch vernünftig für die geleistete Arbeit entlohnen. Rechnet euch anhand des obigen Beispiels zuerst genau aus, wieviel euch die Aufnahme eigentlich gekostet hat. Denn andernfalls machen andere vielleicht die fette Kohle mit eurer Arbeit und ihr habt das Nachsehen! Um abschließend nochmal auf die Abzocker-Spacken aus Berlin zurück zu kommen: Ich habe denen die Kosten wie oben beschrieben vorgerechnet und um ein neues, realistisches Angebot gebeten. Danach war Schweigen im Walde …