Hab‘ mal wieder was ausprobiert, angetestet, wie auch immer … – aber erst NACH dem Kauf und insofern ist das hier ein echter Erfahrungsbericht und KEIN Werbebeitrag. Das erstmal vorab zur Klarstellung. Worum geht’s? Da lagen plötzlich diese Berge von zwei ergiebigen Baumschnittaktionen (bin dabei nicht kleinlich gewesen; wächst sowieso alles wieder nach). Also geschätzt rund ein Festmeter an kernigem Holz und rund zwei Festmeter an zu schredderndem Kleinkram. Beim kernigen Holz hatte mein bewährter Bosch-Elektrofuchsschwanz die Ohren angelegt und musste zur Reparatur eingeschickt werden. Mittlerweile ist das Teil zwar repariert wieder da (Rechnung fehlt, aber da hake ich absichtlich nicht nach), doch nochmal wollte ich dem die Gewaltaktion nicht antun. Watt nu‘? Mit Muskelkraft kriege ich die Hunde nicht wirklich zerkleinert, denn das ist eine endlose Scheißarbeit. Also musste eine andere Säge her – eine Kettensäge.

Nun verhält es sich aber so, dass ich vor motorbetriebenen Sägen einen Heidenrespekt habe, nachdem ich da schon bei fünf ausgesprochen fiesen Unfällen zugegen gewesen bin. Drei mit Kreissägen (mein Onkel verlor zwei Finger) und zwei mit Kettensägen nebst RTW-Einsätzen. Bei der Kettensäge ist folglich die absolut unverzichtbare Schutzausrüstung letztlich teurer als die Säge selbst. Das war mein Dilemma, denn die Finanzen sind stark begrenzt. An der Sicherheit sparen kam nach den erwähnten Erfahrungen aber auch auf gar keinen Fall infrage. Was wollte ich eigentlich sägen?

Lediglich auf dem Boden liegende Äste. Wobei der Begriff Äste für Stammdurchmesser von 10-12cm doch schon leicht untertrieben ist. Lange Suche, nüscht Gescheutes – und letztlich fiel meine Wahl auf eine Sicherheits-Kettensäge ausschließlich für am Boden liegende Äste, wobei keine teure Schutzkleidung vonnöten ist. Das ist die WORX JAWSAW WG329E und mit meinen Holzbergen bin ich inzwischen fertig. Kleiner Hinweis am Rande: Von der JAWSAW gibt’s noch zwei schwächere Modelle, nämlich die WG329.5 und die WG329.9, aber die sollte man nach meiner heutigen Sägeerfahrung lieber gleich liegen lassen – weil zu klein. So rein Zielgruppen-mäßig richtet sich die JAWSAW an Hobbygärtner und „Gelegenheitstäter“. Also an Menschen, die Holzberge nach dem Baumschnitt zu beseitigen haben – ergo an mich.

Fangen wir mal mit dem Lieferumfang an. Da sind die Säge (vormontiert), der 2Ah-Lithium-Ionen-Akku (aus Gründen der Transportsicherheit leer), das Ladegerät, ein Schlüssel zum Öffnen der Abdeckung und zum Einstellen der Kettenspannung, knapp 100ml Kettensägenöl, eine Dosierflasche zum Einfüllen des Öls und die Bedienungsanleitung (die sich aber, wie üblich, erst dann wirklich erschließt, wenn man mit der Säge auch arbeitet). Damit ist die gelieferte Säge fast startklar. Fast, weil der Akku erst einmal 4-5 Stunden zu laden ist. Außerdem wird die Säge mit LEEREM Öltank geliefert und der muss befüllt werden. Übrigens: Der Öltank fasst rund 30ml u. d. h. die mitgelieferte Ölmenge reicht für drei Tankfüllungen. Die Kettenspannung war zu prüfen (nicht mehr als 3mm Spiel – war OK). Sie ist immer nach etwa 50 Schnitten nachzustellen, doch dazu weiter unten mehr.

Werfen wir jetzt mal einen Blick auf die Säge selbst – wie funktioniert sie und wie wird sie bedient? Das Gerät ist, wie schon gesagt, akkubetrieben. Auf der einen Seite hat man einen orangefarbenen Griff mit integriertem Schalter und an diesem Griff wird auch der Akku aufgesteckt. Auf der anderen, der schwarzen Seite hat man ein martialisch aussehendes „Maul“, in dem sich seitlich vollumfänglich umschlossen Schwert und Sägekette befinden. D. h. die eigentliche Sägeeinrichtung ist immer vor versehentlicher Berührung geschützt. Die Sägeeinrichtung mündet in den seitlich angeflanschten Motor, auf den der Öltank folgt. Schiebt man nun den Griff bei gedrücktem Schalter rein, dann klappt die Sägeeinrichtung raus. Das Schwert ist 15cm lang und die Säge ist für Äste bis 10cm Durchmesser geeignet. BTW: Durch das Schieben wird auch rein mechanisch das Kettenöl rausgedrückt. Die ganze Geschichte wiegt so rund 4-5kg und daraus wird ersichtlich, dass es keine Teleskopverlängerung geben kann, denn ein solches Gewicht an einer langen Stange kann keiner mehr sicher bewältigen. Ach ja: Außer für am Boden liegende Äste soll die Säge sich auch zum Entasten etwa in Brusthöhe eignen. Ich hege da allerdings gewisse Zweifel.

Nicht zu vergessen die Wartung: Eine Kettensäge bedarf immer einer gewissen Wartung. Die JAWSAW verfügt dazu über eine Wartungsposition. D. h. man entfernt den Akku und schiebt den Griff ein bestimmtes Sück ein, so dass ein zugehöriger Sicherungsstift eingedrückt werden kann. Der arretiert die Säge in der Wartungsposition (Mittelstellung; Schwert mit Kette ist rausgeklappt). Die Wartungsposition ist immer dann erforderlich, wenn man Öl ein- bzw. nachfüllen will, wenn der Akku entfernt worden ist, wenn man die Säge reinigen will, wenn man die Kettenspannung prüfen und/oder nachstellen muss und wenn man die Säge zur Lagerung wegstellt. Im letztgenannten Fall empfiehlt sich auch noch ein drunter gelegter Lappen für etwaig austretendes Öl. Das Öl wird eingefüllt, indem man den roten Schraubverschluss aufdreht und es mittels der Dosierflasche langsam (damit die Luft entweichen kann) reindrückt. Das Tankanzeigenfenster darunter weist Minimum- und Maximum-Markierungen auf, so dass man da nichts falsch machen kann.

OK – der Akku ist jetzt aufgeladen, das Öl eingefüllt und die Kettenspannung stimmt. Dann kann’s ja losgehen! Zuerst mal ist es wichtig, bei den bodenliegenden Ästen auf Steinfreiheit des Untergrundes zu achten, damit die Säge keine Steine trifft – also nur auf Erde sägen. Dann sollte man noch berücksichtigen, dass die Kette die Äste mitunter dreht, so dass man dem Ast mit dem draufgestellten Fuß Halt gibt. Das „Maul“ selbst drückt sich beim Sägen etwas in den Boden ein. Somit kann die Sägeeinrichtung durchaus Bodenkontakt bekommen. Ein drunter gelegtes Brett ist kontraproduktiv, denn damit zerteilt die Säge den Ast nur unvollständig. Die JAWSAW kann bis zu 10cm Stammdurchmesser schneiden. Das tut sie zwar auch, aber dabei quält sie sich doch schon gewaltig. Das Schnittoptimum liegt erfahrungsgemäß bei Stammdurchmessern von 6-8cm. Das Handling ist sehr gut, geht auf die Dauer allerdings dann doch ziemlich auf den Rücken. Die 2Ah-Akkuladung hat bei mir ungefähr für eine halbe Stunde respektive knapp einem halben Festmeter gereicht und das finde ich doch schon ganz ordentlich. Während der Akkuladezeit wurde dann geschreddert … Ein leerer Akku wird übrigens nicht in irgendeiner Form signalisiert. Man hört aber, dass die Säge sich schwerer tut; die Kette klingt lahm und stoppt häufig.

Kommen wir zur Kettenspannung, die immer spätestens nach 50 Schnitten nachzustellen ist. Wie prüft man die? Wichtig: Alle Wartungsarbeiten OHNE Akku UND in Wartungsposition durchführen. Den Akku entfernen und die Säge in die Wartungsposition bringen (Sicherungsstift eindrücken!). Dann dicke Arbeitshandschuhe anziehen (weil die Kette sauscharf ist) und versuchen, die Kette vorsichtig vom Schwert abzuziehen. Wenn das mehr als 3mm gelingt, dann ist ein Nachspannen erforderlich (man hört die schlackernde Kette allerdings auch beim Sägen – das Sägegeräusch verändert sich dann gravierend). Da ist zunächst die vermeintliche „Öffnungsschraube“ für den Gehäusedeckel. Jedenfalls sieht das Ding wie eine Schraube aus – ist es aber nicht!

Vielmehr handelt es sich um einen Patentverschluss: Man dreht den „Schraubenkopf“ um eine Viertelumdrehung in igendeine Richtung und kann den Deckel hochklappen. Jetzt kommen Antriebsritzel (in Motorhöhe) und Spanneinrichtung zum Vorschein. Schlüssel auf der Spanneinrichtung aufsetzen und zwei Umdrehungen im Gegenuhrzeigersinn drehen. Es macht „KLACK!“. Wieder die zwei Umdrehungen zurück und fertig. Geht ganz einfach. Bei sauberer, farbrikneuer und unbenutzter Säge. Wurde die Säge jedoch bereits beansprucht, dann sieht es etwas anders aus. Dann ist unweigerlich Sägespäne in die Spannmechanik gewandert u. d. h. die spannt nicht meht von alleine. Dann muss man zum Spannen etwas am Schwert ziehen und so beim dritten bis fünften Versuch funktioniert es auch: Etwas nervig … Übrigens ist für den Fall eines erforderlichen Kettenwechsels die Laufrichtung auf dem Gehäuse aufgeprägt, so dass man dabei eigentlich auch nichts falsch machen kann.

 

Fazit: Bäume fällen o. ä. kann man mit der JAWSAW nicht. Aber für meinen Bedarf reicht’s durchaus und hinsichtlich der Handhabung bin ich zum einen angenehm überrascht worden. Zum anderen allerdings sehe ich deutlichen Verbesserungsbedarf, denn die Säge scheint für Menschen von der Körpergröße eines Heinz Schubert („Ekel Alfred“) oder eines Napoleon Bonaparte konzipiert worden zu sein – d. h. einen längeren Griff würde ich sehr begrüßen, denn das ständige Bücken bei jedem einzelnen Schnitt geht doch gewaltig auf den Rücken. Einen merklichen Ölverbrauch habe ich nach dem Festmeter auch nicht feststellen können u. d. h. das mitgelieferte Öl dürfte recht lange ausreichen. Auch eher suboptimal ist die „automatische“ Kettenspannung, die man bei bei benutzter (verschmutzter) Säge tatsächlich manuell vornehmen muss. Hier besteht Optimierungsbedarf (Stichwort Federdruck). Ansonsten tut die Säge was sie soll. Letztlich noch die alles entscheidende Frage: Würde ich sie mir nochmal kaufen? Weiß ich nicht. Das hängt u. a. insbesondere auch davon ab, wie lange das Ding durchhält. Diese Frage kann ich vielleicht in zehn Jahren beantworten …