Es ist Samstag. Samstags quillt der Briefkasten durch die werbefinanzierten Gratis-Wochenendblätter über. Die bestehen zu zwei Dritteln aus Werbung und der eine oder andere Katalog findet sich daneben auch noch im Briefkasten. Ich muss gestehen, dass ich mir die Werbung nebst Katalogen regelmäßig ansehe. Denn manchmal findet sich sich doch tatsächlich ein recht brauchbares Angebot. Häufig allerdings auch nicht. Dann halte ich in den Prospekten nach so genannten „innovativen Produkten“ Ausschau. Genauer gesagt: Nach Plunder, den die Welt nicht braucht. Und ich werde immer wieder fündig!

Da gibt’s bspw. „flapgrip – die multifunktionale Smartphone-Halterung“: Einfach genial! Hinten auf das Handy kommt ein aufgeklebter Halter, den man sich an den Finger clipsen kann. Künftig muss man das Smartphone nie wieder beiseite legen! Darauf hat die Welt doch nur gewartet! Oder der „USB-Luft-Ionisator“: Ein unverzichbares 8cm-Teil(chen) zur Luftreinhaltung! Bei dessen Durchsatz braucht es viele Stunden, bis das Luftvolumen eines einzigen Raumes „durchgereinigt“ worden ist. Na ja, außer wenn einer Bohnen gegessen hat. Dann fliegt wahrscheinlich die Sicherung raus. Nochmal einen Zahn schärfer ist der „App-gesteuerte WC-Aufsatz mit Föhn“, also eine High-Tech-Klobrille. Also – normalerweise brauche ich nach dem Geschäft keinen Föhn (notfalls gibt’s ja auch noch Feuchttücher) und die Haare trockne ich mir auch nicht in der Schüssel …

Für den Garten bietet der Handel den „Gießstab mit Spritzmuster – für jede Pflanze der passende Wasserstrahl“ an. Ja, also … – ich bestimme folglich zuerst die Pflanze, suche anschließend aus der Datenbank das passende Spritzmuster raus und programmiere danach den Bewässerungscomputer. Das ist innovativ und modern! Gießkanne kann doch jeder und die Regenschauer von Mutter Natur haben garantiert schon das Gros des Grünzeugs da draußen brutal vernichtet, weil das Spritzmuster nicht stimmte! Megageil finde ich auch die „Solar LED Strahler mit Schutzart IP44“ – hält garantiert bis zum nächsten Gewitterschauer. Ist anschließend allerdings auch garantiert ein Fall für die Tonne, weil sicherlich abgesoffen … Kleiner Tipp: Für draußen – also so richtig bei Wind und Wetter – ist alles unter Schutzart IP56 völliger Humbug!

Aus dem Staunen gar nicht mehr rausgekommen bin ich bei dem 3,3l-USB-Aquarium, also einem geringfügig überdimensionierten Einmachglas. Das als Aquarium zu bezeichnen lässt schon ziemlich eindeutige Rückschlüsse auf die Sachkenntnis des Entwicklers zu. Dann bin ich noch über „Extrem saugfähige Trainingsunterlagen für Welpen: So wird Bello ganz einfach stubenrein!“ gestolpert. Wer es jemals einem Welpen abgewöhnt hat, irgendwo in der Wohnung hinzupieseln, der weiß, was ich meine. Ob derart „innovative Produkte“ vielleicht mal ihren Ursprung als Joke im Rahmen einer Arbeitsbesprechung gehabt haben? Nicht zu vergessen das „Kamin-Thermometer“, welches die Temperatur des Brennguts per WLAN an die zugehörige Handy-App übermittelt. Ganz ehrlich? Entweder der Ofen brennt oder er brennt nicht! Dazu brauche ich weder Thermometer noch WLAN oder Handy-App.

Zugegeben, manche Leute werden den Verfasser dieser Zeilen jetzt als hoffnungslos rückständig betrachten. Weil man ja mit der Zeit gehen muss. Denen sei gesagt: Ich habe nichts gegen moderne Technik – wenn sie denn sinnvoll ist! Aber nicht alles, was als neu, unverzichtbar und hypermodern vermarktet wird ist auch sinnvoll. Einiges davon ist schlicht völlig überflüssiger Müll. Es einfach liegen zu lassen bringt zuerst den Verkauf und später die Produktion zum Erliegen. Das schont Rohstoffe und vermeidet überflüssige Müllberge, ist ergo auch ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz. Wobei ich mich angesichs der ganzen Sache frage: Wenn jemand solch überflüssigen Plunder entwickelt, hat er dann nur eine schwere Kindheit gehabt oder hat man ihm irgendwelches merkwürdiges Zeug ins Glas geschüttet? Nein, halt – es gibt Ausnahmen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Ausnahme sind die Verpackungsdesigner: Die hassen die Menschheit!