Es gibt zu unterschiedlichen Themen, insbesondere hinsichtlich der Lösung von Problemen, i. d. R. auch unterschiedliche Meinungen. Meinungen sollten durch sachliche Argumente gestützt werden. Im Rahmen einer Diskussion tragen mehrere Personen ihre Argumente und Meinungen vor. Im Idealfall findet sich dann zur Lösung eines Problems ein auf diesen Argumenten und Meinungen basierender Kompromiss. Das ist eines der demokratischen Grundprinzipien. Was geschieht aber, wenn es einer der beteiligten Parteien an sachlichen Argumenten mangelt und sie trotzdem ihre Meinung durchsetzen will? Dann artet die Diskussion schnell in einen wenig zweckmäßigen Streit aus. In einen Streit, bei dem jede Sachlichkeit – und damit auch jede Kompromissbereitschaft – auf der Strecke bleibt. Dann rückt das Ziel der Auseinandersetzung – nämlich die Lösungsfindung – in weite Ferne. Das wiederum macht die Diskussion bzw. den daraus resultierenden Streit sinnlos.

In einem solchen Fall geht es nämlich gar nicht mehr um die ursprüngliche Thematik. An die Stelle der sachlichen Argumente treten Polemik und Selbstdarstellung. Die Polemik dient dazu, den anderen und damit natürlich auch dessen Meinung durch das Auftreten des Selbstdarstellers unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Es geht also nicht mehr um Fakten, sondern vielmehr darum, wer am lautesten schreien kann. Mangels Argumenten befleißigt sich der Selbstdarsteller – der Schreihals, um es einmal ganz unverblümt auszudrücken – nicht selten persönlicher Angriffe auf den Andersdenkenden um den zu diskreditieren. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob derartige Angriffe auf Fakten beruhen oder ob sie reine Phantasieprodukte sind, denn wenn nur mit genug Dreck geworfen wird, dann bleibt irgendwann auch mal was hängen. D. h. der Schreihals setzt auf die „Hit-And-Run“-Technik, während ihm das Ziel der Auseinandersetzung, nämlich das Finden einer Lösung für ein Problem, völlig gleichgültig geworden ist: Die Diskussion ist über den Streit in die unsachliche Polemik abgeglitten. Ab sofort regieren nur noch die 25 Gesetze der Desinformation:

1. Hör nichts Schlimmes, sieh nichts Schlimmes, sag nichts Schlimmes. Ohne Rücksicht auf das, was Du weißt: Diskutiere es nicht, insbesondere, wenn Du in der Öffentlichkeit stehst oder in ähnlich exponierter Position bist. Was nicht berichtet worden ist, ist auch nicht passiert – und Du brauchst Dir um die Folgen keine Sorgen zu machen.

2. Werde verärgert und ungehalten. Vermeide das Diskutieren der wesentlichen Punkte und wende Dich stattdessen einer anderen Sache, die als kritisch oder als unantastbar gilt, zu. Auch bekannt als das „Ich-trau-mich“-Spielchen.

3. Erzeuge und verbreite Gerüchte. Je weniger Du darüber diskutierst – unabhängig vom Wahrheitsgehalt – desto schneller und wilder werden sie sich verbreiten. Abfällige und der Wahrheit widersprechende Bemerkungen tun es genauso gut. Das funktioniert besonders gut bei „gleichgeschalteten“ Medien, denn so werden aus fraglichen Bemerkungen schnell „geheime Tatsachen“. Wenn Du die Grundlagen der vermeintlichen Fakten mit dem Internet in Verbindung bringen kannst, dann kannst Du das auch als „Beweis“ für unbegründete, wilde Gerüchte anführen – und bist im Zweifelsfalle aus dem Schneider.

4. Bediene Dich eines Strohmannes. Finde oder erzeuge ein Scheinelement für ein Argument gegen Dich, welches Du leicht widerlegen kannst – Du stehst dadurch gut da und Dein Gegner schlecht. Oder Du suchst Dir das schwächste Argument Deines Gegners und hebelst das aus. Bausche dessen Wichtigkeit zuvor auf und vernichte es dann in einer Art, die alle Gegenargumente als Fälschung entlarven – während Du es gleichzeitig vermeidest, auf die realen Grundlagen solcher Argumente zu sprechen zu kommen.

5. Lenke Gegner ab, indem Du sie beim Namen nennst und verspottest. So etwas ist auch als „Primär-Angriffs-Trick“ bekannt, obwohl andere Methoden vielleicht wirkungsvoller als dieser Ansatz sind. Bringe Gegner mit unpopulären Begriffen wie beispielsweise „Spinner“, „Rechte“, „Linke“, „Terroristen“, „Verschwörer“, „Radikale“, „Militaristen“, „Rassisten“, „Religiöse Fanatiker“, „Perverse“ usw. in Verbindung. Das lässt die Leute davor zurück schrecken, sich mit denen auf eine Stufe zu stellen und vermeidet das Hinterfragen von Meldungen.

6. Schlag‘ zu und verdufte. Mache in jeder öffentlichen Diskussion einen Blitzangriff auf den Standpunkt Deines Gegners und hau ab, bevor der antworten kann – oder ignoriere seine Antwort einfach. Das funktioniert im Internet und in „offenen Briefen“ besonders gut, denn damit werden werden permanent neue Leute erreicht, ohne dass man irgendwas erklären oder geschweige denn Kritik bzw. Grundlegendes fürchten muss. Mach‘ einfach eine Anschuldigung oder einen ähnlichen Angriff und beantworte niemals Anfragen dazu, denn das würde ja den Standpunkt Deines Gegners ehren.

7. Stelle Motive infrage. Verdrehe oder bausche jeden Fakt, der sich für Unterstellungen gegen den Gegner eignen könnte, auf. So etwas würgt Diskussionen ab und zwingt den Gegner in die Defensive.

8. Berufe Dich auf Autoritäten. Stelle Dich so mit den Autoritäten (oder Experten) auf eine Stufe und erzeuge durch den Gebrauch ihres Fachjargons den Eindruck, dass Du jemand bist, der weiß, wovon er redet. Sag einfach „So geht’s nicht“ ohne zu begründen, warum.

9. Stell Dich dumm. Ganz egal, mit welchem Argument man Dir kommt, vermeide die Diskussion darüber. Stelle das Argument als unglaubwürdig, sinnlos, inhaltslos, unlogisch oder unbewiesen dar. Mische diese Darstellungsarten gut und Du erreichst einen maximal möglichen Effekt.

10. Bringe Gegenansichten mit veralteten, ungesicherten Nachrichtenmeldungen oder Gerüchten in Verbindung. Irgendwo findet sich dazu immer ein Überschneidungspunkt, und sei es durch einen Bekannten des Strohmannes. Notfalls baust Du so etwas vorsorglich sogar selbst auf. Anschließend und unabhängig vom Wahrheitsgehalt kann das Gerücht wiedergekäut werden – ohne jeglichen Anspruch auf Aktualität und Korrektheit, und zwar umso besser, je mehr der Gegner darin verstrickt gewesen ist.

11. Etabliere rückständige bzw. überholte Positionen und vertraue darauf. Nimm irgend eine Nichtigkeit als direkten Weg, gestehe freimütig und im Nachhinein einen unbedeutenden Fehler gemacht zu haben – und beschuldige Deine Gegner, das auszuschlachten, aufzubauschen und verfälscht darzustellen. Andere können Deine Meinung bestätigen. Sorgfältig durchgeführt gewinnst Du damit Sympathie und Respekt, weil Du Fehler zugibst und so „sauber“ wirst – und die wirklichen wichtigen Dinge treten in den Hintergrund.

12. Mysterien sind unendlich. Bezeichne die ganze Geschichte mit allem Drum und Dran und mit allen beteiligten Personen als viel zu komplex, um da durchzusteigen. Das führt zu einem nachlassenden Interesse und niemand fragt mehr nach den Hintergründen.

13. Befleißige Dich der „Alice-im-Wunderland“-Logik. Vermeide Hintergrunddiskussionen, indem Du Dich rückschauend einer anscheinend schlüssigen Logik derart bedienst, dass sie alle aktuellen Ereignisse zumindest erahnen lässt.

14. Beanspruche vollständige Lösungen. Vermeide das Akzeptieren von Teillösungen völlig – was besonders gut funktioniert, wenn Du das unter „10.“ genannte Verfahren anwendest.

15. Passe die Fakten den sich ändernden Zusammenfassungen an. Dies erfordert kreatives Denken, um sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten.

16. Lasse Beweise und Zeugen verschwinden. Wenn so etwas nicht existiert, dann gibt’s das auch nicht und keiner kann danach fragen. Eine Variante besteht darin, Zeugen – mit welchen Mitteln auch immer – mundtot zu machen.

17. Verändere den Gespächsgegenstand. Verlagere in Verbindung mit einem der Tricks aus dieser Liste unter Nennung kontroverser Ansichten die Diskussion auf einen leichter zu handhabenden Punkt. Das funktioniert besonders gut, wenn mehrere Personen mitmachen und so etwas aufgreifen. Damit vermeidet man das Hinterfragen der wesentlichen Fakten.

18. Emotionalisiere und bekämpfe Deine Gegner – stachele sie auf. Wenn Du keine anderen Möglichkeiten hast, dann beschimpfe und verhöhne sie, so dass sie emotional antworten, dadurch idiotisch und übermotiviert erscheinen und unglaubwürdig werden. Das wird nicht nur die grundlegende Diskussion im Keim ersticken, sondern Dir darüber hinaus zukünftig noch die Möglichkeit geben, zu betonen, wie empfindlich die auf Kritik reagieren.

19. Ignoriere Beweise, welche präsentiert werden und frag stattdessen nach unmöglich zu erbringenden Beweisen. Das ist eine Variante des „Sich-dumm-stellen“-Gesetzes. Ungeachtet des von der Gegenseite veröffentlichten Materials kannst Du es als irrelevant bezeichnen und nach einem anderen Beweis verlangen, der unmöglich zu erbringen ist. Es mag sein, dass der sogar existiert, sich aber außerhalb des Zugriffs der Gegenseite befindet (z. B. eine Mordwaffe im Polizeigewahrsam, der Beweis von Behördenwillkür seitens Betroffener usw.). Lehne bis zur Präsentation dieses Beweises jedes Gespräch kategorisch ab und bezeichne andere Quellen (Bücher, Zeugen usw.) als befangen und daher inakzeptabel. Oder streite einfach ab, dass irgendwelche offiziellen Verlautbarungen zum Thema von irgendeiner Relevanz sind.

20. Fälsche Beweise. Führe – wann immer möglich – neue Fakten und Hinweise an, die so konstruiert worden sind, dass sie der Darstellung der Gegenseite zuwider laufen – indem sie diese aufheben, unglaubhaft machen oder das Auffinden der wesentlichen Fakten behindern. Das funktioniert am besten, wenn die neuen Fakten und Hinweise auf eine maximale Schadwirkung hin ausgelegt worden sind und wenn sie sich nicht leicht bzw. schnell widerlegen lassen.

21. Rufe ein Schiedsgericht, einen Ankläger oder eine Untersuchungskommission an. Untergrabe die Untersuchung zu Deinem Vorteil und neutralisiere dadurch alle wesentlichen Faktoren ohne offene Diskussion. Einmal zusammen gekommen, müssen alle Beteiligten Verschwiegenheit garantieren. Für den Fall, dass Du den Bevollmächtigten des Gremiums bestochen hast, bekommt die Schiedsstelle gar nichts Wesentliches mehr zu hören und hinsichtlich der Einschaltung eines unabhängigen Gutachters sind ihr zudem noch die Hände gebunden. Sobald ein Urteil fest steht (vorzugsweise gegen ein wehrloses Opfer), kann die Akte geschlossen werden.

22. Bastele eine neue Wahrheit. Schalte dazu Deine eigenen Experten, Gremien, Autoren, Führer oder einflussreichen Beziehungen ein, so dass eine neue Grundlage auf wissenschaftlicher, nachforschender oder sozialer Basis bzw. auf Zeugenaussagen geschaffen wird: Eine Grundlage, die Du dann favorisierst. So kannst Du selbst als Autorität fungieren und nach den Tatsachen fragt dann keiner mehr.

23. Erzeuge große Ablenkung. Wenn die o. a. Verfahren nicht von heiklen Fakten ablenken oder die Medien stoppen, dann sorg‘ für eine Menge an größeren, neuen Geschichten.

24. Stopf Kritikern das Maul. Wenn die obigen Maßnahmen nicht funktionieren, dann enge den Bewegungsspielraum und die Möglichkeiten der Gegenseite ein: Durch Verhaftung, Erpressung, Beschlagnahme, Unterstellung, Bespitzelung usw.

25. Verpiss‘ Dich. Wenn Du eine Schlüsselfigur bist, weil Du über (geheimes) Insiderwissen verfügst und es Dir zu heiß wird, dann setz‘ Dich einfach rechtzeitig ab.

Die Desinformation ist eine Teilmenge der Propaganda und besteht aus falschen oder verfälschten Informationen – heute als Fake News bezeichnet – die mit dem Ziel der Täuschung vorsätzlich verbreitet werden. Falls das jetzt irgendjemandem irgendwie bekannt vorkommen sollte: Ja, so funktionieren viele (politische) Debatten. So funktioniert auch so manches totalitäre Regime. Im Sinne einer demokratischen Entscheidungsfindung spricht daher vieles (alles?) gegen derartige Polemik, öffnet sie doch undemokratischen Bestrebungen Tür und Tor. Intelligente Menschen reagieren folglich kritisch auf so etwas und ziehen daraus die Konsequenzen, indem sie sich eine eigene Meinung bilden. Weniger intelligente Menschen (was durch mangelnde Bildung gefördert wird) hingegen sind froh, geführt zu werden und folgen blind dem o. e. Schreihals, notfalls bis hinein ins eigene Verderben.

Wenn ich so zurück denke, dann hatten wir hier in Deutschland mal eine durchaus demokratische Diskussions- und Streitkultur, die in der 68er-Studentenbewegung gipfelte. Ist lange her. Seither hat sich viel verändert. Wer im Verlauf der Zeit Erfahrungen gemacht hat, die zu mehr Vorsicht bei der Meinungsäußerung führten, sieht sich heute mitunter eben aufgrund dieser Vorsicht ziemlichen Anfeindungen ausgesetzt. Wie ist das zu verstehen? Wer Kritik äußert wird als Querdenker, Rechtsradikaler, Terrorist, Wirrkopf, Gefährder usw. eingestuft. Wer anstelle von Facebook/WhatsApp (ist eh‘ das Gleiche) auf abhörsichere Medien wie Telegram oder Signal setzt, der gehört garantiert einer terroristischen Vereinigung an. Wer Privatshäre einer allumfassenden Bespitzelung vorzieht hat etwas zu verbergen. Wer nicht bei allen Neuerungen, von denen nur einige Wenige profitieren werden, laut „Hurra!“ schreit und sich mal ein paar Gedanken über die Folgen macht, wird als Nörgler und Meckerer beschimpft. Merkt hier denn eigentlich keiner mehr, in welche Richtung das alles abzielt?!? 😦