Man kann aus der Vergangenheit lernen – wenn man dazu bereit ist. Die aktuelle Corona-Krise belegt, dass diese Bereitschaft seitens unserer so genannten „Volksvertreter“ offensichtlich nicht bestanden hat. Die Vergangenheit: Das ist die Zeitgeschichte. Zeitgeschichte lässt sich dokumentieren. Das ist das, was die offizielle Geschichtsschreibung tut. Nur: Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben. Oder, anders ausgedrückt: Von den Herrschenden. Kritik stört da nur. Wenn man etwas aus dem Leben der Menschen in der Vergangenheit – also auch Kritisches und Skeptisches – erfahren will, dann ist man auf die inoffizielle „Geschichtsschreibung von unten“ angewiesen. Also auf so etwas wie die Zeitkapsel in Hallstatt. Daneben spielen selbstverständlich auch noch Literatur im weitesten Sinne sowie Musik – also die „Geschichte in Liedern“ – eine Rolle.

Eine Zwischenstellung zwischen der Literatur und der Musik nimmt der Talking Blues ein. Ein bekannter Talking Blues ist bspw. „Alice’s Restaurant“ von Arlo Guthrie. Im deutschen Sprachraum sind Hannes Wader und Konstantin Wecker typische Vertreter dieses (leider im Aussterben begriffenen) Genres. Hier soll es um Konstantin Wecker gehen.

Ein Freund von ihm wurde Mitte der 1970er-Jahre im Rahmen einer Kneipenschlägerei von Rechtsradikalen erschlagen. Wecker arbeitete das später in einem Lied auf, nämlich in „Willy“. Auf Willy im Jahr 1977 folgten Schlaglicht-artig immer mal wieder Neufassungen mit völlig anderer Thematik, so in den Jahren 1991, 2002, 2003, 2010, 2015, 2018 und jetzt auch 2020. Vielleicht auch noch mehr; ich weiß es nicht. Aber jedes Einzelne dieser Lieder ist ein kritischer Gänsehaut-Song. Hier ist mal die Neufassung von 2020, Corona und Staatsgewalt behandelnd. Bitte genau zuhören – und vor allem aber drüber nachdenken!